Keuchhusten (Pertussis)
Infektion
Keuchhusten (Pertussis) wird durch Bakterien verursacht. Der Erreger ist weltweit verbreitet und kann auch von Personen weitergegeben werden, die daran unbemerkt erkranken. In jedem Lebensalter sind harmlose bis schwere Krankheitsverläufe möglich. Für junge Säuglinge kann Keuchhusten sogar lebensbedrohlich sein. Ein Drittel bis rund die Hälfte aller erkrankten Säuglinge steckt sich bei den eigenen Eltern an. Seit der Jahrtausendwende erkranken zunehmend Erwachsene.
Die Impfung ist die beste Möglichkeit, sich gegen Keuchhusten zu schützen. Sie verringert das Risiko überhaupt zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden.
Krankheitsbild und Ansteckungsgefahr Keuchhusten
Keuchhusten wird in der Regel durch Husten und Niesen übertragen (Tröpfcheninfektion). Er ist sehr ansteckend. Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung beträgt etwa ein bis drei Wochen.
Erwachsene mit Keuchhusten leiden meist unter wochenlangem unspezifischen Husten, im Mittel sind es sechs bis sieben Wochen. Sie können aber auch schwer erkranken. Komplikationen treten in rund einem Viertel der Fälle auf (z.B. Gewichtsverlust, Leisten- und Rippenbrüche, Lungen- oder Mittelohrentzündung, Inkontinenz, seltener auch Hirnblutungen). Etwa ein bis vier Prozent aller erwachsenen Patienten müssen im Krankenhaus behandelt werden, meist ältere Menschen. Im Verlauf eines Jahres ist jeder 200. bis 500. Erwachsene in Deutschland von einer Pertussis-Erkrankung betroffen. Todesfälle durch Keuchhusten sind im Erwachsenenalter sehr selten.
Antibiotika verhindern, dass der Erreger weitergegeben wird, ändern aber nichts am Verlauf der Krankheit, sobald die typischen Hustenattacken begonnen haben. Weil Keuchhusten schwer zu erkennen ist, wird meist erst spät behandelt.
Impfung
Die STIKO empfiehlt allen Erwachsenen einmalig eine Impfung gegen Pertussis (Keuchhusten). Die nächste Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie (gegebenenfalls und/oder Kinderlähmung) sollte als Kombinationsimpfung, die auch eine Keuchhustenkomponente enthält, gegeben werden.
Grundimmunisierung
Normalerweise erfolgt die Grundimmunisierung im Kindesalter. Sie kann aber jederzeit nachgeholt werden, dafür reicht im Erwachsenenalter eine Impfung.
Auffrischimpfung
Zum Schutz von Neugeborenen sollten Frauen im gebärfähigen Alter sicher sein, dass ihre letzte Impfung gegen Pertussis nicht länger als 10 Jahre zurück liegt. Das gilt auch für Personal im Gesundheitsdienst (z.B. Hebammen, Ärzte) sowie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Altenheimen.
Enge Kontaktpersonen eines Säuglings (z.B. Großeltern, Babysitter, Tagesmütter) sollten spätestens vier Wochen vor der Geburt eine Auffrischimpfung erhalten, notfalls geht das auch noch später. Davon ausgenommen sind nur Erwachsene, die in den letzten zehn Jahren bereits gegen Keuchhusten geimpft wurden.
Impfstoffe
Es gibt verschiedene Kombinationsimpfstoffe für Erwachsene. Sie enthalten Komponenten zum Schutz gegen Tetanus, Diphtherie und/oder Pertussis (Keuchhusten) und/oder Polio (Kinderlähmung).
Pertussis-Impfstoff ist nicht einzeln erhältlich.
Ihr Arzt/Ihre Ärztin berät Sie, wann und welche Kombinationsimpfung für Sie sinnvoll ist.
Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen
Die Impfung ist gut verträglich. Bei bis zu einem Drittel der Geimpften kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Selten schwillt die gesamte Gliedmaße an. Gelegentlich können in den ersten drei Tagen nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise eine Temperaturerhöhung, Frösteln, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.
Nebenwirkungen sind sehr selten. Allergische Reaktionen sind möglich. In Einzelfällen sind nach der Impfung Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark beschrieben worden. Dies äußerte sich beispielsweise durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit oder fortschreitende Ausfälle.
Je nach verwendetem Kombinationsimpfstoff können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, die Unterschiede sind jedoch nicht groß.
Häufige Fragen und Antworten (FAQs)
Bin ich als Erwachsener überhaupt gefährdet?
Ja. Seit einigen Jahren treten Keuchhusten-Erkrankungen immer häufiger auch bei Erwachsenen auf. Noch 1995 betraf Keuchhusten schwerpunktmäßig Jugendliche, im Jahr 2008 lag das durchschnittliche Alter eines Keuchhusten-Patienten bei 42 Jahren.
Darf geimpft werden, wenn die letzte Auffrischimpfung gegen Tetanus und/oder Diptherie weniger als 5 Jahre zurückliegt?
Ja. Neuere Studien haben gezeigt, dass auch schon 18 Monate oder sogar nur einen Monat nach der letzten Impfung gegen Tetanus bzw. Diphtherie erneut geimpft werden kann. Die Impfreaktionen und Nebenwirkungen unterscheiden sich nicht wesentlich gegenüber Impfungen mit mehr Abstand.
Kann die Impfung eine Keuchhusten-Erkrankung auslösen?
Nein. Der Impfstoff enthält unschädlich gemachte Gifte und andere ausgewählte Teile des Bakteriums, gegen die die Körperabwehr aktiv werden soll. Eine Keuchhusten-Erkrankung ist dadurch nicht möglich.
Verursacht die Keuchhusten-Impfung Hirnschäden?
Nein. In den 70er Jahren hatten einige Mediziner den Verdacht, der damals verwendet „Ganzkeimimpfstoff“, der ganze abgetötete Keuchhusten-Bakterien enthielt, könnte für seltene Hirnschäden bei Säuglingen verantwortlich sein. Die Keuchhusten-Impfung wurde damals vorsichtshalber ausgesetzt. Der Verdacht erhärtete sich nicht. Inzwischen haben eingehende Untersuchungen keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und Hirnschäden bei Säuglingen finden können. In Deutschland wird seit 1991 wieder gegen Keuchhusten geimpft, wenige Jahre später dann mit „azellulärem“ Impfstoff, der nur ausgewählte Teile des Bakteriums enthält und seltener Fieber und andere Impfreaktionen auslöst.
Warum erkranken heutzutage Erwachsene häufiger?
Vor Einführung der Impfung (1955) starben in Deutschland jedes Jahr mehr als 20.000 Kinder an einer Infektion mit Keuchhusten. Der Erreger zirkulierte ständig in der Bevölkerung. Seitdem sind die hohen Erkrankungs- und Todeszahlen stark zurückgegangen und auch der Erreger zirkuliert seltener. Aber weder die Krankheit noch die Impfung hinterlassen lebenslangen Schutz. Daher erkranken nun öfter Erwachsene – ihr Immunsystem hat „vergessen“ wie der Erreger aussieht. Mit Hilfe von Auffrischimpfungen ist es möglich, auch Erwachsene zu schützen.
Wie ist Keuchhusten von „normalem“ Husten zu unterscheiden?
Keuchhusten ist im Erwachsenenalter nur schwer anhand der Symptome zu erkennen. Relativ typisch sind der langwierige Verlauf über mehrere Wochen bis Monate hinweg und die quälenden Hustenattacken. Nur eine Laboruntersuchung auf Antikörper gegen eines der Gifte (Pertussistoxin) gibt verlässlich Auskunft. Deshalb können Erwachsene eine Ansteckungsquelle für andere Menschen sein (beispielsweise Säuglinge) ohne es zu wissen.

