Polio-Impfung bei Kindern

Infektion

Im Jahr 2002 hat die WHO ganz Europa für poliofrei erklärt. Trotzdem ist die Kinderlähmung (Poliomyelitis oder Polio) noch vielen jungen Eltern gut bekannt. Bilder von Sälen voll mit „Eisernen Lungen“, Kinder mit Beinschienen und der Zuckerwürfel zur Impfung haben sich tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben. Weil die Erkrankung in einigen Ländern Asiens und Afrikas noch häufig vorkommt, kann sie auch jederzeit in Deutschland wieder eingeschleppt werden. Daher bleibt es sinnvoll, geimpft zu sein.

Polio-Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden und vorwiegend durch Schmierinfektion (Stuhl-Hand-Mund) übertragen. Auch eine Ansteckung per Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) ist möglich. Ebenso kann verschmutztes Trinkwasser eine Infektionsquelle sein. Patienten mit gestörtem Immunsystem bleiben unter Umständen über viele Jahre hinweg ansteckend.

Krankheitsbild und Ansteckungsgefahr bei Kinderlähmung

Die Zeit zwischen Infektion und Erkrankung beträgt etwa 3 bis 35 Tage. Rund 95 Prozent der Infizierten merken nichts. Fieber, Hals- und Kopfschmerzen - meist als (Sommer-)Grippe verkannt - erleben etwa 5 Prozent, bei jedem 100. bis 1.000. Infizierten kommt es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur, schlimmstenfalls auch der Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur.

Zu den Komplikationen der Polio zählen bleibende Lähmungen und dadurch auch Muskelschwund, vermindertes Knochenwachstum sowie Gelenkzerstörung. Noch Jahrzehnte nach der Infektion können erneut Muskelschmerzen und Lähmungen auftreten (Post-Polio-Syndrom).

Weder die Erkrankung selbst noch das Post-Polio-Syndrom kann behandelt werden, man kann nur die Symptome lindern.

Impfung

Die Kombinationsimpfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt vier Teilimpfungen zur Grundimmunisierung:

  • Die erste Impfung erfolgt ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat (ab der 9. Woche)
  • Die zweite Impfdosis bekommt das Kind mit vollendetem dritten Lebensmonat.
  • Die dritte Impfdosis erfolgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat.
  • Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11-14. Lebensmonat).

Im Alter von neun bis 17 Jahren sollte die Impfung noch einmal aufgefrischt werden. Dies erfolgt meist in Kombination mit den Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten.

Bei Reisen in Regionen, in denen Polio-Erkrankungen noch auftreten, empfiehlt die STIKO bei unzureichendem Impfschutz ebenfalls eine Auffrischung.

Im Rahmen der Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung werden Säuglinge üblicherweise mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Bei dieser Impfung wird außer gegen Polio (Kinderlähmung) gleichzeitig auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft.

Bitte sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über eignete Impftermine. Viele Impfungen können im Rahmen der U-Untersuchungen (Früherkennungsuntersuchungen) gegeben werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung hat.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen des Sechsfachimpfstoffs

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Als sehr häufige Impfreaktion kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Ebenso können Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Hohes Fieber ab 39°C ist häufig, ebenso Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis). Solche Impfreaktionen klingen in der Regel ein bis drei Tagen nach der Impfung wieder ab.

Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen, d.h. bei weniger als einem von 10.000 Geimpften, kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Als  weitere seltene Nebenwirkung, die sich schnell und folgenlos wieder zurückbildet, wurde ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand („hypoton-hyporesponsive Episode; HHE“), in dem die Muskeln des Kindes erschlaffen und es nicht ansprechbar ist, beobachtet.
Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffs sind möglich.

Je nach verwendetem Kombinationsimpfstoff können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, die Unterschiede sind jedoch nicht groß.

Hinweis: Eine durch die Impfung verursachte Kinderlähmung, die bei dem früher verwendeten Lebendimpfstoff in sehr seltenen Fällen (etwa 1 auf 3 Millionen Impfungen) vorkam, ist bei dem heutigen Impfstoff ausgeschlossen.