EHEC-Infektionen: Ausbruch wird als beendet betrachtet
Im Mai/ Juni 2011 kam es in Deutschland zu einer Häufung von Infektionen mit den Darmbakterien EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) mit zum Teil schweren Verläufen. Während typischerweise Kinder unter 5 Jahren betroffen sind, erkrankten vor allem Erwachsene, darunter viele Frauen. Die Ursache des Ausbruchs sind mit großer Wahrscheinlichkeit Sprossen, die aus Ägypten importierten Bockshornkleesamen gezogen wurden. Zum Schutz vor weiteren Infektionen empfehlen die Bundesbehörden, Bockshornkleesamen und daraus gezogene Sprossen und Keimlinge nicht roh zu verzehren. Die Empfehlung, auf den Verzehr anderer Sorten von Sprossen in rohem Zustand generell zu verzichten, wurde am 21. Juli 2011 aufgehoben.
Am 26. Juli hat das Robert Koch-Institut den EHEC-Ausbruch für beendet erklärt. Da es allerdings weiterhin vereinzelt zu Infektionsfällen kommen kann, ist es unverändert wichtig, auf gründliche Hände- und Lebensmittelhygiene zu achten.
EHEC-Infektionen können Durchfallerkrankungen verursachen. Besonders gefürchtet sind die Keime, weil sie unter Umständen bei einem Teil der Erkrankten zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen führen können. Die Übertragung kann über verunreinigte Lebensmittel oder aber auch von Mensch zu Mensch über so genannte Schmierinfektionen erfolgen.
Seit 2001 müssen alle EHEC- Erkrankungen bundesweit gemeldet werden, dies sind im Mittel etwa 1.000 pro Jahr.
Was ist EHEC?
EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) sind eine besondere Art von Darmbakterien. Sie produzieren Zellgifte (Shigatoxine bzw. Verotoxine) und können dadurch beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Gefährdet sind in der Regel vor allem Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen. EHEC kommen natürlicherweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vor, zum Beispiel bei Rindern, Schafen und Ziegen, ohne dass diese selbst erkranken. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Da EHEC relativ unempfindlich sind, können sie in der Umwelt, im Boden und im Wasser wochenlang überleben.
Übertragungswege
Die EHEC können auf vielfältige Weise übertragen werden:
Über Lebensmittel: Von landwirtschaftlichen Nutztieren gelangen die Erreger häufig bereits beim Melken oder Schlachten in die Milch bzw. auf das Fleisch. Über verunreinigtes Wasser und durch Düngen mit Gülle oder Mist können auch pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse mit EHEC belastet sein. Darüber hinaus kann der Keim aber auch durch unzureichende Küchenhygiene in andere verzehrfertige Lebensmittel gelangen.
Von Mensch zu Mensch: Mit EHEC infizierte Menschen scheiden den Keim aus und können die Bakterien so auf andere übertragen.
Durch direkten Tierkontakt: zum Beispiel auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos.
Durch verschmutztes Wasser: zum Beispiel beim Baden in durch Tierkot verschmutzten Gewässern.
Krankheitszeichen
Bei den meisten Erkrankten tritt etwa 3-4 Tage (seltener nach 10 Tagen) unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung, der von Übelkeit, Erbrechen und zunehmenden Bauchschmerzen, seltener Fieber begleitet werden kann. Üblicherweise heilt die Erkrankung von selbst folgenlos aus. Eine EHEC-Infektion kann aber auch ohne Symptome verlaufen und unerkannt bleiben.
In etwa einem Fünftel der Erkrankungsfälle können sich als schwere Verlaufsform blutige Durchfälle mit krampfartigen Bauchschmerzen und teilweise Fieber entwickeln. In der Regel erkranken vor allem Säuglinge, Kleinkinder, alte Menschen und abwehrgeschwächte Personen häufiger schwer. Insbesondere bei Kindern droht als Folge einer EHEC-Infektion das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine Erkrankung, die sich in Blutgerinnungsstörungen, einer Zerstörung der roten Blutkörperchen bis hin zum akuten Nierenversagen äußern kann. Diese schwere Komplikation tritt in etwa bei jedem Zehnten bis Zwanzigsten der Erkrankten auf. Zudem kann es zu neurologischen Komplikationen kommen, darunter Kopfschmerzen, Sprachstörungen sowie Krampfanfälle (Epilepsien).
Was tun bei Krankheitszeichen?
Suchen Sie beim Auftreten der Symptome, insbesondere bei blutigem Durchfall, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf. Bei entsprechendem Verdacht werden dort die weiteren notwendigen Schritte eingeleitet, um die Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln.
Die Behandlung der Krankheitszeichen kann nur symptomatisch erfolgen, zum Beispiel durch eine genügende Flüssigkeitszufuhr zum Ausgleich von Wasserverlusten durch Durchfall und Erbrechen. Eine Therapie mit Antibiotika ist im Regelfall nicht angezeigt und kann sogar die Bakterienausscheidung verlängern.
Bei Vorliegen eines HUS wird zumeist eine harntreibende Therapie und unter Umständen ein Blutreinigungsverfahren (Plasmapherese) angewendet. Im Falle eines Nierenversagens kommen Dialyseverfahren zum Einsatz.
EHEC-Infektionen vermeiden : auf Hygiene achten
1. Schutz vor lebensmittelbedingten EHEC-Infektionen
Wie die meisten Erreger von Lebensmittelinfektionen lassen sich auch EHEC-Bakterien durch Erhitzen abtöten, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren. Tiefgefrieren garantiert hingegen nicht, dass ein Lebensmittel vollständig frei von EHEC wird.
Roh verzehrtes Gemüse und Obst gründlich waschen oder schälen.
Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern vor dem Verzehr ausreichend erhitzen (mindestens 70° C für mehrere Minuten).
Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch verschiedene Bretter, Teller, Messer und Zangen benutzen.
Auf Rohmilch-Produkte verzichten oder zumindest vor dem Verzehr abkochen.
Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, dessen Verpackungen oder Tauwasser sofort gründlich reinigen und abtrocknen.
Wisch- und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60° C waschen.
EHEC-Bakterien können infolge der fehlenden Wärmebehandlung auch vorkommen in:
streichfähigen Rohwürsten, zum Beispiel Zwiebelmettwurst, Teewurst, Braunschweiger;
Rohmilchkäse (verpackter Käse aus Rohmilch muss mit dem Wortlaut "mit Rohmilch hergestellt" gekennzeichnet sein);
unpasteurisiertem Apfelsaft.
Aktuelle Verzehrsempfehlung: Zum Schutz vor weiteren Infektionen empfehlen die Bundesbehörden, Bockshornkleesamen und daraus gezogene Sprossen und Keimlinge nicht roh zu verzehren. Die Empfehlung, auf den Verzehr anderer Sorten von Sprossen in rohem Zustand generell zu verzichten, wurde am 21. Juli 2011 aufgehoben. In Privathaushalten noch vorhandene Bockshornkleesamen sollten im Restmüll entsorgt werden.
Außerdem:
Speisen und Getränke nur außerhalb von Tierställen und Gehegen verzehren.
Personen mit Durchfallerkrankungen sollten am besten keine Speisen zubereiten.
Das Risiko für lebensmittelbedingte Infektionen mit EHEC lässt sich mit diesen einfachen Mitteln senken.
2. Schutz vor Schmierinfektionen mit EHEC-Bakterien
Der Erreger kann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, vor allem durch eine sogenannte Schmierinfektion (fäkal-oral) aufgrund mangelnder Hygiene. Den besten Schutz gegen eine Übertragung bietet daher gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife und sorgfältiges Abtrocknen:
- nach dem Toilettengang,
- vor der Zubereitung von Speisen,
- vor dem Essen,
- nach Kontakt mit Tieren.
Vorsicht auch beim Baden in natürlichen Gewässern, die durch Tierkot verschmutzt sein können. Bei kleinen Kindern zudem auf sauberes Wasser im Planschbecken und unverschmutzten Sand im Sandkasten achten.
Eine vorbeugende Impfung gegen Durchfallerkrankungen durch EHEC gibt es nicht.
Gut zu wissen
Auch nach dem Ende des aktuellen Ausbruchs sind weitere Erkrankungen möglich. Der Erreger kann über Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch oder auch über mit EHEC verunreinigte Lebensmittel übertragen werden. Daher ist es unverändert wichtig, allgemeine Hygieneregeln wie z.B. Händewaschen sorgfältig zu beachten.
Weiterführende Links
- Bürgerinformation der BZgA zum Download: Infektionen mit EHEC: Hygiene beachten (deutsch, englisch, türkisch, russisch)
- Bürgerinformation der BZgA zum Download: Infektionen mit EHEC: Fragen und Antworten (deutsch, englisch, türkisch, russisch)
www.kindergesundheit-info.de:
Externe Links:
- BfR, BVL und RKI: Konkretisierung der Verzehrsempfehlung zur rohen Sprossen
- BfR, BVL und RKI: Bedeutung von Sprossen beim EHEC-Ausbruch im Mai/Juni 2011
- Internetseite des Robert Koch Institutes: www.rki.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verbrauchertipps: Schutz vor Infektionen (PDF)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): FAQs zu EHEC (PDF)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hinweis auf allgemeine Hygieneregeln (PDF)
- Umweltbundesamt (UBA): FAQs zu EHEC in Trink- und Badebeckenwasser (PDF)
- aid infodienst e.V.: Häufige Fragen und Antworten zum Thema EHEC (Expertenforum)

