Masern-Impfung bei Erwachsenen

Krankheitsbild und Ansteckungsgefahr bei Masern

Ungefähr zehn bis zwölf Tage nach der Ansteckung kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Augenrötung und Husten. An der Wangenschleimhaut treten kleine weißliche Flecken auf („Koplik-Flecken“). Zwei bis drei Tage später beginnt der typische Ausschlag im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab.

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem, zusätzliche Erreger können Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Bronchitis verursachen. In ein bis sechs Prozent der Masern-Fälle tritt eine Lungenentzündung auf, die auch für die Mehrzahl der masernbedingten Todesfälle verantwortlich ist.

Bei zehn von 10.000 an Masern Erkrankten - vor allem Jugendlichen und Erwachsenen - kann es zu einer Gehirnentzündung kommen. Von diesen zehn Erkrankten sterben ein bis zwei. Bei etwa zwei bis drei Betroffenen bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen und Lähmungen zurück.

Im Mittel sieben Jahre nach einer Masern-Erkrankung kann in vier bis elf von 100.000 Masernfällen eine so genannte SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) auftreten. Diese ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach zwei bis drei Jahren zum Tod. Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet. In Deutschland traten von 2003 bis 2009 insgesamt 19 SSPE-Fälle bei Kindern unter 16 Jahren auf.

Eine ursächliche Therapie gegen Masern gibt es nicht. Nur eine Behandlung der Krankheitszeichen, wie z.B. Fieber, ist möglich. Antibiotika sind gegen Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, jedoch wirkungslos. Sie kommen in der Regel erst zum Einsatz, wenn durch Bakterien verursachte Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündung auftreten. Auch aus diesem Grund bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Sind Masern eine Kinderkrankheit?

Nein. Masern werden zwar fälschlicherweise häufig als ,,Kinderkrankheit" bezeichnet. Das hat seinen Grund jedoch nur in der leichten Übertragung der Erreger: Da Masern hoch ansteckend sind, erkrankten früher die meisten Menschen bereits als Kind daran. Jugendliche und Erwachsene können sich aber ebenso anstecken. Da heutzutage viele Kinder gegen Masern geimpft sind, stecken sich sogar vermehrt ungeschützte Jugendliche oder Erwachsene an: Mehr als die Hälfte der Masernfälle in Deutschland betreffen heute Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene.

Sind „Impf-Masern“ ansteckend?

Bei etwa 5 bis 15 von 100 Menschen tritt ein bis vier Wochen nach der Impfung ein schwacher masernähnlicher Hautausschlag auf: Man spricht von so genannten „Impfmasern“. Der masernähnliche Hautausschlag wird durch die abgeschwächten Viren im Impfstoff verursacht. Der Hautausschlag kann mit Fieber verbunden sein. Impfmasern verlaufen milde und gehen nach wenigen Tagen von selbst wieder weg. Sie sind nicht ansteckend.

Kann bei Allergie gegen Hühnereiweiß mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff geimpft werden?

Wenn Sie gegen Hühnereiweiß allergisch sind, können Sie dennoch in der Regel die MMR-Impfung erhalten.

Die MMR-Impfung enthält Spuren von Hühnereiweiß. Daher gibt es gelegentlich das Gerücht, Allergiker sollten sich nicht gegen MMR impfen lassen.

Das Hühnereiweiß im Impfstoff ist jedoch nicht das gleiche Eiweiß wie in einem Hühnerei und im MMR-Impfstoff nur in geringen Mengen vorhanden. Studien haben gezeigt, dass die überwiegende Mehrzahl der Personen, die gegen Hühnereiweiß allergisch ist, den Impfstoff vertragen.

Beraten Sie sich im Fall einer Hühnereiweiß-Allergie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was hat die Masern-Impfung bisher in Deutschland bewirkt?

Seitdem in Deutschland die MMR-Impfung erfolgt, erkranken sehr viel weniger Menschen an Masern, Mumps und Röteln und nur noch vereinzelt sterben Erkrankte an den Masern. Eine Röteln-Embryopathie tritt nur noch sehr selten auf. Auch Ausbrüche dieser Krankheiten mit zahlreichen Erkrankten sind wesentlich seltener geworden.

Deutschland hat das Ziel, die Ausbreitung von Masern, Mumps und Röteln zu verhindern, noch nicht ganz erreicht. So sind zum Beispiel noch nicht genug Menschen gegen Masern geimpft. Vor allem, wenn viele ungeimpfte Personen in einer gemeinsamen Umgebung sind (z. B. in einer Stadt oder einer Schule), kann sich das Masern-Virus gut ausbreiten. Deshalb kann es immer noch zu Masern-Ausbrüchen kommen.

Wie häufig sind Masern in Europa?

Zwischen Januar und Dezember 2015 wurden in Europa insgesamt rund 3.969 Masern-Fälle gemeldet. Die meisten Fälle in dieser Zeit stammten aus Deutschland. Weitere Länder mit vielen Masern-Erkrankten waren Kroatien, Österreich, Frankreich und Italien. Ein Kind starb und 6 Masern-Erkrankte bekamen eine Gehirn-Entzündung.

Kein Autismus und Morbus Crohn durch Impfung

Die MMR-Impfung erhöht nicht das Risiko, an Autismus oder Morbus Crohn zu erkranken.

Gelegentlich hört man das Gerücht, dass die MMR-Impfung Autismus auslösen könnte.

2005 wurden alle bislang vorhandenen Studien zum Thema untersucht. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus oder Morbus Crohn gefunden werden.

Wie kam es zu dem Gerücht? Dieses Gerücht fand seinen Ursprung 1998 in England. In diesem Jahr veröffentlichten A. J. Wakefield und andere Wissenschaftler eine Studie. In dieser wurde ein angeblicher Zusammenhang zwischen der Masern-Impfung und Morbus Crohn sowie Autismus bei zwölf Kindern beschrieben. Es stellte sich aber heraus, dass der Wissenschaftler und Arzt die Studien-Ergebnisse gefälscht hatte. Er verlor seine Zulassung als Arzt und die Studie wurde als nicht wissenschaftlich eingestuft und zurückgezogen.

Das Risiko an Autismus oder Morbus Crohn zu erkranken, wird durch die MMR-Impfung nicht erhöht.