Masern-Impfung bei Jugendlichen

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen. Fast alle, die nicht gegen Masern geschützt sind, erkranken, wenn sie mit dem Virus in Kontakt kommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausbreitung von Masern durch einen ausreichenden Impfschutz zu verhindern. Dies ist möglich, wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geschützt sind. Deutschland hat dieses Ziel noch nicht erreicht. Bei uns erkranken jedes Jahr noch mehrere Hundert Menschen an Masern. Mehr als die Hälfte der Masernfälle betreffen Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene bis etwa Ende 40.

Gut zu wissen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die zweimalige Impfung gegen Masern eigentlich bereits für alle Kinder vor dem zweiten Geburtstag. Einigen Jugendlichen fehlt jedoch noch die zweite Impfung. Verpasste Impfungen sollten so schnell wie möglich nachgeholt werden. Die Impfung erfolgt als Kombinationsimpfung gemeinsam mit der Impfung gegen Mumps und Röteln (und eventuell Windpocken).

Jugendliche, die eine Gemeinschaftseinrichtungen wie die Schule oder eine Ausbildungseinrichtung, in der überwiegend minderjährige Personen betreut werden, besuchen, müssen nach dem Masernschutzgesetz (seit 1. März 2020) mindestens zwei Masern-Impfungen oder ein ärztliches Zeugnis über eine ausreichende Immunität gegen Masern nachweisen. Dies gilt auch für Personen, die bereits vier Wochen in einem Kinderheim betreut werden oder in einer Unterkunft für Geflüchtete untergebracht sind.
Ein vollständiger Masern-Schutz muss auch bei allen Jugendlichen vorliegen, die als Praktikanten, Ehrenamtliche oder Auszubildende in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen oder in medizinischen Einrichtungen arbeiten.

 



Masern: Ansteckung

Mehr als die Hälfte der Masernfälle in Deutschland betreffen heute Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene bis etwa Ende 40.

Masern werden durch Viren verursacht. Sie werden nur von Mensch zu Mensch übertragen, meist durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion). Masern sind extrem ansteckend. Zudem können Masern bereits fünf Tage vor Auftreten des Hautausschlags übertragen werden.

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2002 bis 2020

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, https://survstat.rki.de/, Datenstand 01.04.2020*

Altersgruppierung: Kinder fein differenziertErkrankungen
20024656
2003777
2004123
2005781
20062308
2007566
2008915
2009572
2010780
20111608
2012165
20131770
2014442
20152465
2016325
2017924
2018544
2019514
*202059

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2019 – nach Altersgruppen

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, https://survstat.rki.de/, Datenstand 01.01.2020

AltersgruppierungErkrankungen
0 Jahre33
1 Jahr27
2 Jahre16
3 Jahre11
4 Jahre11
5-9 Jahre37
10-14 Jahre46
15-19 Jahre55
20-24 Jahre73
25-29 Jahre49
30-39 Jahre81
40-49 Jahre53
50-59 Jahre16
60-69 Jahre1
70 Jahre älter2
Unbekannt0

Das Ziel: Masernausbrüche verhindern

Zahlen zu Masernerkrankungen werden in Deutschland erst seit Einführung der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 erfasst. Parallel hat die Ständige Impfkommission (STIKO) 2001 die Empfehlung für die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfdosis vom 5. bis 6. Lebensjahr auf das 2. Lebensjahr vorgezogen, um frühzeitiger einen vollständigen Immunschutz aufzubauen. In den Folgejahren sind die Masernfälle pro Jahr deutlich gesunken. Der erneute Anstieg der Erkrankungszahlen nach 2005 wurde jedoch durch immer wieder auftretende, regional und zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche verursacht. Fast alle dieser Masernerkrankten waren ungeimpft und zunehmend waren Jugendliche und nach 1970 geborene Erwachsene betroffen. Die STIKO hat folglich im Jahr 2010 eine Masernimpfung für bislang nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpfte nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, um die bestehenden Immunitätslücken zu schließen. Denn Masernausbrüche lassen sich erst verhindern, wenn 95 Prozent der Bevölkerung immun sind.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern beginnen mit starken, grippeähnlichen Symptomen: Dazu gehören hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Nach einigen Tagen entwickelt sich der typische Masernausschlag und das Fieber steigt erneut. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab. Die meisten Masernpatienten werden nicht schwer krank, Komplikationen sind jedoch möglich.

Masern schwächen für etwa sechs Wochen das Immunsystem. Deshalb können zusätzliche Erreger Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen.

In seltenen Fällen kommt es im Zusammenhang mit einer Masernerkrankung zu Gehirnentzündungen. In Zahlen heißt das: 10 von 10.000 an Masern erkrankten Menschen erleiden eine Gehirnentzündung. Von diesen zehn Erkrankten sterben ein bis zwei. Bei etwa zwei bis drei Betroffenen bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen und Lähmungen zurück.

Sehr selten – in vier bis elf  Fällen von 100.000 Masernkranken - kann etwa sieben Jahre nach der Masernerkrankung eine so genannte SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, auftreten. Kinder, die zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre sind, sind besonders gefährdet (Das Risiko wird auf 20 bis 60 Fälle pro 100.000 Masernkranken geschätzt.). Die SSPE ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach zwei bis drei Jahren zum Tod.

Eine ursächliche Behandlung gegen Masern gibt es nicht. Krankheitszeichen wie zum Beispiel hohes Fieber können gelindert werden. Antibiotika sind bei Erkrankungen, die durch Viren verursacht werden, jedoch wirkungslos. Nur bakterielle Zweitinfektionen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung sind mit Antibiotika behandelbar, gegen die Masernviren selbst helfen sie nicht.  Auch aus diesem Grund bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Masern: Impfung

Durch eine zweimalige Impfung kann einer Ansteckung mit Masern wirksam vorgebeugt werden. Es wird mit einem Kombinationsimpfstoff gleichzeitig auch gegen Mumps und Röteln geimpft (MMR-Impfung). Bis zum zweiten Geburtstag sollten alle Kinder zweimal geimpft sein. Vielen Jugendlichen fehlt jedoch noch die zweite Impfung. Jugendliche, die noch keine oder bisher nur eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten haben, sollten die Impfung möglichst schnell nachholen.

Laut Masernschutzgesetz müssen Jugendliche, die eine Schule oder eine Ausbildungsstätte mit mehr als 50 Prozent Minderjähriger besuchen, nachweisen, dass sie die zwei von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen gegen Masern erhalten haben oder bereits immun sind.

Dies gilt auch für alle Jugendlichen, die als Praktikanten oder Auszubildende in medizinischen oder in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kindergarten) arbeiten.

Die Impfung muss nur bei schwerer, behandlungsbedürftiger Erkrankung verschoben werden.

 

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Bei etwa 5 von 100 Geimpften kommt es nach der Impfung durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Diese kann kurzfristig auch schmerzen. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe der Einstichstelle an. In den ersten drei Tagen werden auch häufiger Allgemeinsymptome beobachtet wie eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden.

Da es sich um eine kombinierte Lebendimpfung mit abgeschwächten Masern-, Mumps- und Röteln-Impfviren handelt, können in den ersten vier Wochen nach der Impfung bei etwa zwei bis fünf von 100 Geimpften leichte, nicht ansteckende „Impf-Masern“ beobachtet werden. Anzeichen sind Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist gelegentlich möglich. Von Jugendlichen und Erwachsenen sind Gelenkbeschwerden berichtet worden. Selten werden eine leichte Hodenschwellung oder eine ebenfalls leichte Reaktion der Bauchspeicheldrüse beobachtet.

Solche Impfreaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen folgenlos wieder ab.

Im Rahmen einer Fieberreaktion nach Impfung kann sich bei weniger als 1 von 1.000 geimpften Kindern ein Fieberkrampf entwickeln, der in der Regel ohne weitere Folgen bleibt. Jugendliche leiden jedoch nur äußerst selten an einem Fieberkrampf. Sehr selten sind auch allergische Reaktionen auf den Impfstoff. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden länger andauernde Gelenkentzündungen beobachtet. In Einzelfällen vermindert sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind. Wie in Folge der Krankheit wird als sehr seltene Nebenwirkung auch eine mögliche Gehirnentzündung nach der Impfung diskutiert; weltweit sind diese nach Impfung in wenigen Einzelfällen beobachtet worden. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden.

Masern: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Link-Tipp

  • Masern-Atlas (englisch)

    Visuell aufbereitete und einfach zu verstehende Kartendarstellung, die die Entwicklung und den Fortschritt der Masern-Elimination in Europa nach Ländern und Jahreszahlen zeigt. Bereit gestellt durch das European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC).