Diphtherie-Impfung bei Kindern

Diphtherie ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die sowohl die Rachenschleimhäute als auch die Haut betreffen kann. Bei Befall des Rachens kommt es zu Halsschmerzen und festanhaftenden Belegen im Rachen (sogenannte Rachendiphtherie), schlimmstenfalls zum Tod durch Ersticken. Bei Befall der Haut kann die Infektion mit schmierig belegten Hautstellen und Wunden einhergehen (sog. Hautdiphtherie).

Gut zu wissen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Säuglingen und Kleinkindern eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie mit einem 6-fach-Impfstoff, bei dem auch gegen Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft wird. Seit Juni 2020 empfiehlt die STIKO das folgende 2+1-Impfschema (3 Teilimpfungen):

  • Die erste Impfung sollte im zweiten Lebensmonat (mit 8 Wochen) gegeben werden.
  • Die zweite Impfung erfolgt 8 Wochen später im vierten Lebensmonat. Zwischen den beiden ersten Impfdosen muss ein Abstand von 8 Wochen eingehalten werden.
  • Die dritte Impfdosis wird im Alter von 11 Monaten gegeben. Der Abstand zur zweiten Impfdosis sollte mindestens 6 Monate betragen.

Frühgeborene sollen aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems nach dem 3+1-Impfschema, mit vier Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten geimpft werden.

Im Alter von 5 bis 6 Jahren sollte die erste Auffrischimpfung erfolgen, die zweite Auffrischimpfung im Alter von 9 bis 17 Jahren, weitere Auffrischungen alle 10 Jahre.

Eine fehlende oder unvollständige Grundimmunisierung gegen Diphtherie sollte unbedingt auch noch im späteren Alter nachgeholt bzw. vervollständigt werden.

 



Diphtherie: Ansteckung

Für junge Eltern in Deutschland ist die Diphtherie heute kaum mehr als ein fernes Gerücht. Ohne Impfungen würde sie jedoch zurückkehren. Das zeigen Beispiele wie der große Ausbruch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu Beginn der 90er-Jahre. Durch den Zusammenbruch der Gesellschaftsstrukturen wurde bevölkerungsweit über Jahre hinweg nur noch ungenügend geimpft. In der Folge kam es zu einem Ausbruch mit rund 150.000 Kranken und mehr als 4.000 Toten. Erst mit internationaler Hilfe konnte der Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden.

Der Erreger der Diphtherie ist weltweit verbreitet und kann auch von Personen weitergegeben werden, die nicht daran erkranken. Verursacht wird die Diphtherie durch Bakterien.

Das Diphtherie-Bakterium wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion zum Beispiel beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen. Bei der Hautdiphtherie, welche eher in den Tropen verbreitet ist, erfolgt die Ansteckung durch direkten Kontakt.


Diphtherie: Krankheitsverlauf

Etwa 2 bis 5 Tage, selten bis zu 10 Tage nach einer Infektion der Atemwege beginnt die Rachendiphtherie mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und erhöhter Temperatur. Hinzu kommen Krankheitszeichen wie Heiserkeit, Husten und ein Anschwellen der Lymphknoten. Darüber hinaus bilden sich in Nase, Rachen und/oder in der Luftröhre fest haftende Beläge. Typisch ist ein süßlicher Geruch. Die Schwellung im Halsbereich kann so stark sein, dass sie die Atemwege komplett verschließt und die Patienten ersticken.

Zudem kann das Gift des Diphtherie-Bakteriums Organschäden verursachen: beispielsweise Herzentzündungen oder Nerven-Lähmungen. Deshalb muss bei Krankheitsverdacht sofort mit Antiserum und Antibiotikum behandelt werden. Auch heute noch sterben trotz intensivmedizinischer Behandlung etwa 5 bis 10 Prozent der Erkrankten.

Die Haut- oder Wunddiphtherie entsteht, wenn die Bakterien auf eine offene Wunde geraten. Hier können sich Geschwüre bilden.

Diphtherie: Impfung

Dank sehr hoher Impfraten erkranken in Deutschland kaum noch Kinder an Diphtherie. Dennoch ist die Impfung gegen Diphtherie wichtig. Denn ist die Bevölkerung nicht ausreichend geschützt, so kann sich die Diphtherie auch in Deutschland jederzeit wieder verbreiten.

 

Die Kombinationsimpfung gegen Diphtherie

Für Kinder wird eine frühe Immunisierung empfohlen. Für die 6-fach-Impfung, bei der neben Diphtherie auch gegen Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft wird, empfiehlt die STIKO ein 2+1-Schema mit Impfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten. Diese besteht aus drei Teilimpfungen. Das seit Juni 2020 empfohlene 2+1-Schema für die Grundimmunisierung von Säuglingen sieht eine Impfstoffdosis weniger vor als beim bisherigen 3+1-Schema – bei vergleichbarem Impfschutz:

Die erste Impfung sollte möglichst im Alter von zwei Monaten erfolgen. Die zweite Impfdosis bekommt das Kind 8 Wochen später im vierten Lebensmonat. Die dritte und letzte Impfdosis wird kurz vor Ende des ersten Lebensjahres, im Alter von 11 Monaten gegeben.  Zwischen der 2. und 3. Impfstoffdosis ist – für einen zuverlässigen Langzeitschutz – ein Abstand von mindestens 6 Monaten einzuhalten.

Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren sind, sollten aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems weiterhin nach dem 3+1-Schema geimpft werden und Impfungen im Alter 2, 3, 4 und 11 Monaten erhalten.

Die Impfung sollte mit fünf bis sechs Jahren, dann im Alter von neun bis 17 Jahren und danach alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Im Rahmen der Grundimmunisierung gegen Diphtherie werden Säuglinge üblicherweise mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Bei dieser Impfung wird außer gegen Diphtherie gleichzeitig auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft. Auch die späteren Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und gegebenenfalls auch Polio werden üblicherweise kombiniert gegeben.

Bitte sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder dem Kinderarzt über geeignete Impftermine. Viele Impfungen können im Rahmen der U-Untersuchungen (Früherkennungsuntersuchungen) gegeben werden.

 

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen des Sechsfachimpfstoffs

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Als sehr häufige Impfreaktion kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Ebenso können Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Hohes Fieber ab 39 °C ist häufig, ebenso Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis). Solche Impfreaktionen klingen in der Regel ein bis drei Tagen nach der Impfung wieder ab.

Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen, d. h. bei weniger als einem von 10.000 Geimpften, kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Als  weitere seltene Nebenwirkung, die sich schnell und folgenlos wieder zurückbildet, wurde ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand („hypoton-hyporesponsive Episode; HHE“), in dem die Muskeln des Kindes erschlaffen und es nicht ansprechbar ist, beobachtet.  Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffs sind möglich.

Je nach verwendetem Kombinationsimpfstoff können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, die Unterschiede sind jedoch nicht groß.