Masern-Impfung bei Kindern

Krankheitsbild der Masern

Ungefähr zehn bis zwölf Tage nach der Ansteckung mit Masern kommt es zu starken, grippeähnlichen Symptomen: hohes Fieber, Husten und Schnupfen. An der Wangenschleimhaut tritt ein weißlicher Belag auf - die sogenannten Koplik-Flecken. Erst einige Tage später entwickelt sich der typische Masern-Ausschlag und das Fieber steigt erneut. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab.

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem, zusätzliche Erreger können Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Bei etwa einem von 1.000 Erkrankten kommt es zu einer Gehirnentzündung. Etwa zehn bis 20 Prozent der Betroffenen sterben daran, das entspricht etwa einem Toten auf 10.000 an Masern Erkrankten. Bei etwa 20 bis 30 Prozent (2 bis 3 pro 10.000) bleiben schwere Folgeschäden zurück wie eine geistige Behinderung und Lähmungen.

Mögliche Spätfolgen einer Masern-Erkrankung

Sehr selten – in vier bis elf Fällen von 100.000 Masernkranken - kann sechs bis acht Jahre nach der Masernerkrankung eine so genannte SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, auftreten. Kinder, die zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre sind, sind besonders gefährdet (Das Risiko wird auf 20 bis 60 Fälle pro 100.000 Masern-Fälle geschätzt.). Die SSPE ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach zwei bis drei Jahren zum Tod. In Deutschland traten von 2003 bis 2009 insgesamt 19 SSPE-Fälle bei Kindern unter 16 Jahren auf.

Eine ursächliche Therapie gegen Masern gibt es nicht. Nur eine Behandlung der Krankheitszeichen, wie z.B. Fieber, ist möglich. Antibiotika sind gegen Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, wirkungslos. Sie können in der Regel erst zum Einsatz kommen, wenn bakteriell verursachte Komplikationen auftreten. Auch deswegen bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Sind Masern eine Kinderkrankheit?

Nein. Masern werden zwar fälschlicherweise häufig als ,,Kinderkrankheit" bezeichnet. Das hat seinen Grund jedoch nur in der leichten Übertragung der Erreger: Da Masern hoch ansteckend sind, erkrankten früher die meisten Menschen bereits als Kind daran. Jugendliche und Erwachsene können sich aber ebenso anstecken. Da heutzutage viele Kinder gegen Masern geimpft sind, stecken sich sogar vermehrt ungeschützte Jugendliche oder Erwachsene an: Mehr als die Hälfte der Masernfälle in Deutschland betreffen heute Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene.

Wie häufig sind Masern in Deutschland?

Das Balken-Diagramm zeigt die gemeldeten Masern-Fälle in Deutschland von 2001 bis 2017.

In Deutschland lassen sich bislang noch nicht genug Menschen gegen Masern impfen, um das Auftreten von Masern in Deutschland ganz zu verhindern. Masern-Ausbrüche sind seit der Einführung der Impfung vor etwa 40 Jahren aber wesentlich seltener geworden. Wie viele Menschen in Deutschland jedes Jahr an Masern erkranken, wird dem Robert Koch-Institut gemeldet. Im Jahr 2013 sind 1.769 Menschen, im Jahr darauf 442 Menschen und in 2015 mehr als 2.400 Menschen an Masern erkrankt. Hinzu kommt, dass nicht alle Masern-Fälle gemeldet werden.

In Berlin fand 2014/2015 ein großer Masern-Ausbruch mit mehr als 1.300 angesteckten Menschen statt. Etwa jeder vierte Erkrankte wurde im Krankenhaus behandelt. Ein 1,5-jähriges Kind starb.

Sind „Impf-Masern“ ansteckend?

Bei etwa 5 bis 15 von 100 Menschen tritt ein bis vier Wochen nach der Impfung ein schwacher masernähnlicher Hautausschlag auf: Man spricht von so genannten „Impfmasern“. Der masernähnliche Hautausschlag wird durch die abgeschwächten Viren im Impfstoff verursacht. Der Hautausschlag kann mit Fieber verbunden sein. Impfmasern verlaufen milde und gehen nach wenigen Tagen von selbst wieder weg. Sie sind nicht ansteckend.

Kann bei Allergie gegen Hühnereiweiß mit Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff geimpft werden?

Wenn Sie gegen Hühnereiweiß allergisch sind, können Sie dennoch in der Regel die MMR-Impfung erhalten.

Die MMR-Impfung enthält Spuren von Hühnereiweiß. Daher gibt es gelegentlich das Gerücht, Allergiker sollten sich nicht gegen MMR impfen lassen.

Das Hühnereiweiß im Impfstoff ist jedoch nicht das gleiche Eiweiß wie in einem Hühnerei und im MMR-Impfstoff nur in geringen Mengen vorhanden. Studien haben gezeigt, dass die überwiegende Mehrzahl der Personen, die gegen Hühnereiweiß allergisch ist, den Impfstoff vertragen.

Beraten Sie sich im Fall einer Hühnereiweiß-Allergie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum wird zweimal gegen Masern-Mumps-Röteln geimpft?

Kindern und Jugendlichen werden zwei MMR-Impfungen empfohlen, da zwischen 5 und 10 von 100 Geimpften durch die erste Impfung nicht ausreichend geschützt werden. Durch die zweite Impfung können bis zu 99 von 100 Personen einen Impfschutz aufbauen.

Wie können Säuglinge vor Masern geschützt werden?

Säuglinge von Müttern, die selbst Masern hatten, und auch Säuglinge geimpfter Mütter verfügen zumeist in den ersten Monaten nach der Geburt über mütterliche Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Masern. Man nennt dies „Nestschutz”. Diese Antikörper verschwinden mit zunehmendem Alter der Säuglinge aus dem Blut. Da Säuglinge im ersten Lebensjahr frühestens ab einem Alter von neun Monaten geimpft werden, entsteht eine Lücke im Abwehrsystem (Immunitätslücke). In dieser Zeit können Säuglinge vor einer Ansteckung geschützt werden, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung einen Schutz gegen Masern haben. Denn dann können sich Masern nicht mehr in der Bevölkerung ausbreiten. Ein ausreichender Schutz der Eltern und anderer Kontaktpersonen vor Masern können das Kind in dieser Zeit vor Ansteckung schützen. Man nennt dies Kokonstrategie.

Kein Autismus und Morbus Crohn durch Impfung

Die MMR-Impfung erhöht nicht das Risiko, an Autismus oder Morbus Crohn zu erkranken.

Gelegentlich hört man das Gerücht, dass die MMR-Impfung Autismus auslösen könnte.

2005 wurden alle bislang vorhandenen Studien zum Thema untersucht. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus oder Morbus Crohn gefunden werden.

Wie kam es zu dem Gerücht? Dieses Gerücht fand seinen Ursprung 1998 in England. In diesem Jahr veröffentlichten A. J. Wakefield und andere Wissenschaftler eine Studie. In dieser wurde ein angeblicher Zusammenhang zwischen der Masern-Impfung und Morbus Crohn sowie Autismus bei zwölf Kindern beschrieben. Es stellte sich aber heraus, dass der Wissenschaftler und Arzt die Studien-Ergebnisse gefälscht hatte. Er verlor seine Zulassung als Arzt und die Studie wurde als nicht wissenschaftlich eingestuft und zurückgezogen.

Das Risiko an Autismus oder Morbus Crohn zu erkranken, wird durch die MMR-Impfung nicht erhöht.