Meningokokken-Impfung bei Kindern

Meningokokken kommen weltweit vor und können eine bakterielle Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. An einer Meningokokken-Infektion kann jeder erkranken. Am häufigsten sind aber Säuglinge im ersten Lebensjahr, Kleinkinder oder Jugendliche betroffen. 

Gut zu wissen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für alle Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten gegen Meningokokken der Serogruppe C. Eine fehlende Impfung sollte sobald wie möglich nachgeholt werden. Dies ist bis zum 18. Geburtstag empfohlen. Es stehen weitere Impfungen gegen andere Meningokokken-Typen (Serogruppen ACWY und/oder B) zur Verfügung, die für bestimmte Risikogruppen oder bei bestimmten Reisen empfohlen werden. Hierzu berät sie Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.

Meningokokken: Ansteckung

Verschiedene Erregertypen  

Meningokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien der Art Neisseria meningitidis verursacht. Aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen werden 12 verschiedene Untergruppen unterschieden, sogenannte Serogruppen. Am häufigsten werden Erkrankungen durch die Serotypen A, B, C, W135 und Y verursacht, wobei die verschiedenen Erreger weltweit unterschiedlich häufig vorkommen. So sind Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe A, aber auch C, W und X Ursache für Ausbrüche in Afrika, vor allem südlich der Sahara. In Deutschland kommen derzeit hauptsächlich Infektionen mit Bakterien der Serogruppe B, C, W und Y vor.  

Ansteckung  

Meningokokken werden bei engem Kontakt über Tröpfcheninfektion, das heißt vor allem beim Husten, Niesen und Sprechen, sowie über direkten Kontakt, beispielsweise beim Küssen, übertragen. An der Luft sterben die Erreger schnell ab.

Verbreitung  

In Deutschland erkranken weniger als 4 Menschen pro 1 Million Einwohner pro Jahr. Die meisten Erkrankungen werden in Deutschland durch Meningokokken der Serogruppe B (ca. 60%) und seltener der Serogruppen C, W und Y (jeweils 10 bis 15%) verursacht. Andere Serogruppen treten nur sehr selten auf. Erkrankungen der Serogruppe C bei Kleinkindern haben sich seit Einführung der Impfempfehlung zur Meningokokken-C-Impfung deutlich verringert.  

Am häufigsten erkranken Kinder unter fünf Jahren an einer Meningokokken-Infektion, wobei das höchste Erkrankungsrisiko in den ersten beiden Lebensjahren liegt. Zudem erkranken auch Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren häufiger.  

Meningokokken: Krankheitsverlauf

Eine Ansteckung kann zu einer Entzündung der Hirnhäute (der Menigokokken-Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (sogenannte Meningokokken-Sepsis) führen. In manchen Fällen treten beide Erkrankungen gleichzeitig auf.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Erkrankung dauert es in der Regel drei bis vier Tage. In manchen Fällen sind zwei bis zehn Tage möglich.  

Zunächst treten kurz grippeähnlichen Symptome auf. Dazu setzen in der Folge plötzlich starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifheit ein. Bei einem großen Teil der Erkrankten treten zusätzlich kleine, punktförmige Hautblutungen auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig schwieriger zu deuten. Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung können bei Kindern Fieber, schrilles Schreien, große Unruhe oder auch auffallende Teilnahmslosigkeit sein. Das Kind verweigert Nahrung, erbricht dabei eventuell oder hat Durchfall und reagiert empfindlich auf Berührungen. Treten diese Symptome auf, sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden.    

In rund zwei Drittel der Krankheitsfälle tritt eine Hirnhautentzündung auf.  Bei 10 bis 20 Prozent aller hiervon Betroffenen kommt es im Anschluss zu Komplikationen wie Krampfanfällen oder Taubheit und bei Kindern gegebenenfalls auch zu Entwicklungsstörungen. Etwa einer von 100 der Erkrankten mit Hirnhautentzündung verstirbt.  

Bei etwa einem Drittel der Erkrankten tritt eine Blutvergiftung bzw. Blustromerkrankung (Sepsis) auf. Als Komplikation können unter Umständen einzelne Gliedmaßen absterben, was im schlimmsten Fall Amputationen nötig machen kann. Bei der Blutstrominfektion stirbt etwa jeder zehnte Erkrankte, bei einem schweren Verlauf sogar fast jeder dritte.   Bei einer Meningokokken-Sepsis kommt es in einigen Fällen zum septischen Schock, dem sogenannten Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, an dem ein Drittel der Betroffenen verstirbt.      

Behandlung der Meningokokken-Erkrankungen  

Meningokokken-Erkrankungen müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen und häufig Komplikationen nach sich ziehen. Meningokokken-Erkrankungen werden mit Antibiotika behandelt. Engen Kontaktpersonen von Erkrankten wird empfohlen schnellstmöglich eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika zu beginnen, um eine Erkrankung zu verhindern.  

Meningokokken: Impfung

Aufgrund der Schwere von Meningokokken-Erkrankungen, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit empfiehlt die STIKO seit dem Jahr 2006 allen Kindern im zweiten Lebensjahr eine einmalige Impfung gegen Meningokokken C. Ältere Kinder und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag, die noch keine Impfung gegen Meningokokken C erhalten haben, wird empfohlen diese möglichst bald nachzuholen.

In besonderen Situationen wie z. B. bestimmten Grunderkrankungen oder Reisen in Länder mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko können Impfungen gegen weitere Meningokokken-Typen (Serogruppen) sinnvoll sein. Hierzu berät sie Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt.

Aktuell sind in Deutschland drei verschiedene Impfstoff-Typen verfügbar:

  • gegen Erreger der Serogruppe C,
  • gegen Erreger der Serogruppen A, C, W und Y
  • gegen Erreger der Serogruppe B.
     

Impfempfehlung bezüglich Meningokokken A, C, W135 und Y

Die Impfung gegen die Gruppen A, C, W und Y wird Menschen empfohlen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung mit den Erregern vorliegt. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche (z.B. bei fehlender Milz)
  • gefährdetes Laborpersonal
  • ungeimpfte Haushaltskontaktpersonen eines Erkrankten mit einer schweren Meningokokken-Infektion mit einem dieser Serogruppen, so bald wie möglich nach dem Kontakt (zusätzlich zur Gabe von Antibiotika)
  • Bei Ausbrüchen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden
  • Reisende in Länder, in denen diese Infektionen regelmäßig auftreten, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung
  • Kinder und Jugendliche sowie Personen in Ausbildung oder Studium vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener Impfung für diese Altersgruppe.

Je nach Impfstoff kann eine Impfung gegen die Meningokokken-Typen A, C ,W135 und Y ab einem Alter von einem bzw. zwei Jahren erfolgen.
 

Impfung gegen Meningokokken B

Seit Dezember 2013 gibt es einen Impfstoff gegen Meningokokken B. Diese Impfung wird derzeit in Deutschland nicht standardmäßig empfohlen. Die STIKO prüft dies jedoch weiter. Aktuell empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Meningokokken B Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten, die auch eine Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y erhalten sollen. Zu dieser Gruppe gehören Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche (z. B. bei fehlender Milz). Auch Kontakt und Bezugspersonen von Erkrankten sollten eine Impfung erhalten.

Kinder und Jugendliche sowie Personen in Ausbildung oder Studium vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit Impfempfehlung sollten entsprechend den Empfehlungen der Zielländer geimpft werden. 

Bezüglich der Kosten für die Impfung ist zusätzlich eine Anfrage bei der Krankenkasse sinnvoll.
 

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr können jedoch für kurze Zeit vorübergehende Impfreaktionen auftreten, die in der Regel ohne Folgen nach wenigen Tagen wieder abklingen. Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Personen) kann es für kurze Zeit zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Durchfall, Schüttelfrost und Lokalreaktionen an der Impfstelle (z. B. Rötung, Schmerzen, Schwellung) kommen. Bei Kindern bis 10 Jahre können außerdem vorübergehend Essstörungen, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Schreien/Weinen, Erbrechen, Reizbarkeit oder Fieber ab 38 °C auftreten, bei Kindern von 12 bis 23 Monaten auch Hautausschlag.  

Selten kommt es zu einer Schwellung von Lymphknoten.    

Sehr selten (bei etwa einer von 100.000 geimpften Personen) kann es nach einer Impfung zu allergischen Reaktionen der Haut oder der Atemwege kommen, in Einzelfällen bis hin zum allergischen Schock. In Einzelfällen kam es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern zu einem Fieberkrampf. Bei einem Fieberkrampf verlieren die Kinder kurzzeitig das Bewusstsein. Die Muskeln können sich verkrampfen. In der Regel hört ein Fieberkrampf von selbst auf und bleibt ohne Folgen. Vereinzelt wurden außerdem beispielsweise vorübergehend leichte Symptome einer Reizung der Gehirnhäute beobachtet (auch Nackensteifigkeit). Diese Nebenwirkungen waren von kurzer Dauer und bildeten sich folgenlos zurück.  

Je nach verwendetem Impfstoff können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen in Betracht kommen und sie sind unterschiedlich wahrscheinlich. Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt spricht mit Ihnen über den jeweiligen Impfstoff.  

Grundsätzlich gilt: Impfstoffe werden nur zugelassen, wenn der Nutzen das Risiko bei weitem überwiegt.  

Meningokokken: Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Stand: 20.03.2023