Masern

Masern werden durch Viren verursacht. Sie werden nur von Mensch zu Mensch übertragen und gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich eine Welt ohne Masernkranke zum Ziel gesetzt. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen sank die Anzahl der Maserntoten weltweit von 873.000 im Jahr 1999 auf 164.000 im Jahr 2008. Ganz Nord- und Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und sogar eine ganze Reihe von Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hundert Menschen an Masern, auch Todesfälle treten auf.  Masern-Viren werden meist durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Fast jeder Kontakt von ungeschützten Personen mit einem Erkrankten führt zu einer Ansteckung. Sogar auf mehrere Meter Entfernung ist das möglich. Bereits fünf Tage vor Auftreten des Hautausschlags sind Infizierte ansteckend.

Das Säulendiagramm zeigt die jährlich gemeldeten Masernfälle in den Jahren 2001 bis 2011. Quelle: Robert Koch-Institut, Survstat, 11.01.2012

Maximal 85 Fälle pro Jahr
Zahlen zu Masernerkrankungen werden in Deutschland erst seit Einführung der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 erfasst. Parallel hat die Ständige Impfkommission (STIKO) 2001 die Empfehlung für die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfdosis vom 5.-6. Lebensjahr auf das 2. Lebensjahr vorgezogen, um frühzeitiger einen vollständigen Immunschutz aufzubauen. In den Folgejahren sind die Masernfälle pro Jahr deutlich gesunken. Der erneute Anstieg der Erkrankungszahlen nach 2005 wurde jedoch durch immer wieder auftretende, regional und zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche verursacht. Fast alle dieser Masernerkrankten waren ungeimpft und zunehmend waren Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Die STIKO hat folglich im Jahr 2010 eine Masernimpfung für bislang nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpfte nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, um die bestehenden Immunitätslücken zu schließen. Denn Masernausbrüche lassen sich erst verhindern, wenn 95 % der Bevölkerung immun sind.

Krankheitsbild und Ansteckungsgefahr bei Masern

Ungefähr zehn bis zwölf Tage nach der Ansteckung kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Augenrötung und Husten. An der Wangenschleimhaut treten kleine weißliche Flecken auf („Koplik-Flecken“). Zwei bis drei Tage später beginnt der typische Ausschlag im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab.

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem, zusätzliche Erreger können Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Bronchitis verursachen. In ein bis sechs Prozent der Masern-Fälle tritt eine Lungenentzündung auf, die auch für die Mehrzahl der masernbedingten Todesfälle verantwortlich ist. Bei einem von 1.000 bis 2.000 Masernkranken - vor allem Jugendlichen oder Erwachsenen - kann es zu einer Gehirnentzündung kommen. Etwa zehn bis 20 Prozent der Betroffenen sterben daran, etwa ein Viertel der Überlebenden behalten Dauerschäden zurück (z.B. geistige Behinderung, Lähmungen).

Im Mittel sieben Jahre nach einer Masern-Erkrankung kann bei etwa einem von 5.000 bis 100.000 Patienten eine SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) auftreten. Sie löst einen unaufhaltsamen, schleichenden Zerfall des Gehirns aus. Diese Patienten leben im Durchschnitt noch ein bis drei Jahre. Junge Säuglinge sind besonders gefährdet. In Deutschland traten von 2003 bis 2009 insgesamt 19 SSPE-Fälle bei Kindern unter 16 Jahren auf.

Eine ursächliche Therapie gegen Masern gibt es nicht. Nur eine Behandlung der Krankheitszeichen, wie z.B. Fieber, ist möglich. Antibiotika sind gegen virale Erkrankungen wirkungslos. Sie können in der Regel erst zum Einsatz kommen, wenn bakteriell verursachte Komplikationen auftreten. Auch deswegen bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Kinder eine Impfung in zwei Schritten. Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln im Alter von 11-14 Monaten und die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfung im 2. Lebensjahr im Alter von 15-23 Monaten durchführen zu lassen. Die 2. Impfung ist dabei keine so genannte „Auffrischungsimpfung“, sondern  unabdingbar für einen sicheren und kompletten Impfschutz. Ist dies nicht geschehen, so sollten die Impfungen so bald wie möglich nachgeholt werden. Jeder sollte geschützt sein. Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Masern darum auch allen Personen, die nach 1970 geboren wurden und entweder nicht an Masern erkrankt waren oder noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden. Dies gilt auch für diejenigen, deren Impfstatus unklar ist.

Es sollte ein Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff verwendet werden, denn auch bei Mumps und Röteln gibt es häufig Impflücken.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist gut verträglich. Häufig kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. In den ersten drei Tagen nach der Impfung können auch häufig Allgemeinsymptome wie beispielsweise eine Temperaturerhöhung, Frösteln, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen- Darm-Beschwerden auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.

Da es sich um eine Impfung mit lebenden, abgeschwächten Viren handelt, tritt bei etwa zwei von 100 Geimpften ein bis vier Wochen nach der Impfung vorübergehend eine "Impfkrankheit" auf: Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichem Hautausschlag, die Ohrspeicheldrüse oder die Hoden können anschwellen, die Gelenke können schmerzen.

Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen wurden allergische Reaktionen beobachtet oder die Zahl der Blutplättchen (verantwortlich für die Blutgerinnung) hat sich vorübergehend verringert. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden länger anhaltende Gelenkentzündungen beobachtet.

Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Handelt es sich bei Masern „nur“ um eine Kinderkrankheit?

Nein. Da Masern so ansteckend sind, erkrankten früher die meisten Menschen bereits als Kind. Daher die Bezeichnung „Kinderkrankheit“. Ist nur ein Teil der Bevölkerung geimpft, werden die Abstände zwischen den Masern-Ausbrüchen größer und es erkranken vermehrt Jugendliche und Erwachsene. Mehr als die Hälfte der in Deutschland auftretenden Masernfälle betreffen Jugendliche (älter als 10 Jahre) und Erwachsene. In Regionen mit hohen Impfquoten (z.B. Lateinamerika) sind auch Erwachsene geschützt.

Kann bei Hühnereiweiß-Allergie geimpft werden?

Ja. Der Impfstoff enthält nur noch geringste Spuren von Hühnereiweiß. Wenn nach Genuss von Hühnereiweiß schwerste allergische Reaktionen aufgetreten sind, bleibt der Geimpfte sicherheitshalber etwas länger in der Arztpraxis. Dies sollte im jeweiligen Fall jedoch mit dem impfenden Arzt bzw. Ärztin vor einer Impfung besprochen werden.

Sind „Impf-Masern“ ansteckend?

Nein. Der leichte, masernähnliche Hautausschlag, der bei einigen Menschen nach einer Impfung auftritt, kann nicht auf andere Menschen übertragen werden. Hervorgerufen wird dieser Ausschlag durch die Lebendviren, die der Impfstoff enthält.

Was kann ich tun, wenn ich als Ungeimpfter Kontakt zu einer an Masern erkrankten Person hatte?

Immungesunde Menschen können zu diesem Zweck noch bis zu fünf Tage nach der möglichen Ansteckung die nachträgliche Masern-Impfung erhalten. Ungeimpfte abwehrgeschwächte Menschen können bis zum dritten Tag nach der Ansteckung Antikörper (Immunglobulin) erhalten, um den Ausbruch der Erkrankung weitgehend zu verhindern.

Wie kann ich mein Baby davor schützen, sich bei älteren Kindern anzustecken?

Auch Babies geimpfter Mütter verfügen in den ersten Wochen nach der Geburt über mütterliche Antikörper. Da jedoch Säuglinge im ersten Lebensjahr frühestens ab einem Alter von 9 Monaten selber geimpft werden können, entsteht eine Immunitätslücke. Ansteckung mit Masern ist auch über mehrere Meter hinweg möglich, beispielsweise unter den Gästen eines Restaurants oder beim Abholen des älteren Geschwisters im Kindergarten. Der beste Schutz für Ihr Baby besteht, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft sind, denn dann wird das Virus „ausgesperrt“, da es sich nicht mehr in der Bevölkerung verbreiten kann. Fangen Sie bei sich selbst und bei Ihren eigenen Kindern an. Auch Kinder von Schwangeren können geimpft werden.