Grippeimpfung bei Kindern

Die echte Grippe (Influenza) ist – wie auch normale Erkältungen (grippale Infekte) – sehr ansteckend. In Kindergärten und Schulen kann sie sich schnell von Kind zu Kind oder über Gegenstände verbreiten.

Kinder mit Vorerkrankungen erkranken dabei häufig schwerer an Grippe als gesunde Kinder. Komplikationen wie beispielsweise Lungenentzündungen treffen besonders Kinder mit geschwächtem Immunsystem oder solche, die bereits an Lungen- oder Herzkrankheiten leiden.

Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung allen Kindern, die ein höheres Risiko für Komplikationen besitzen, weil sie unter bestimmten Vorerkrankungen leiden:

  • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma)
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenkrankheiten
  • Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten
  • chronische neurologische Krankheiten wie multiple Sklerose
  • angeborene oder später erworbene Störungen des Immunsystems
  • HIV-Infektion

Grippe: Ansteckung und Krankheitsverlauf

Übertragung der Grippeviren

Die Erreger der Grippe – die Grippeviren – sind weltweit verbreitet und können sich leicht verändern. In Deutschland kommt es in den Wintermonaten – meist nach dem Jahreswechsel – zu Grippewellen mit unterschiedlicher Ausbreitung und Schwere. Grippeviren werden durch Tröpfchen etwa beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen. Zudem kann man sich durch Händeschütteln oder über Gegenstände wie beispielsweise Türgriffe anstecken. Ansteckungsgefahr besteht vor allem dort, wo sich viele Menschen aufhalten, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen.

Krankheitsbild

Etwa ein bis vier Tage nach der Ansteckung beginnt eine Grippe meist plötzlich mit hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Charakteristisch sind auch trockener Reizhusten und eine ungewöhnlich starke Erschöpfung. Zudem sind Schweißausbrüche und Halsschmerzen möglich. Wenn keine zusätzlichen Infektionen hinzukommen, klingen die Krankheitszeichen nach etwa fünf bis sieben Tagen allmählich wieder ab. In seltenen Fällen kann es bis zur vollständigen Erholung auch mehrere Wochen dauern. 

Eine gefürchtete Komplikation der Grippe ist die Lungenentzündung durch das Virus selbst oder durch zusätzliche Erreger. Sie kann selten sogar innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Auch Entzündungen des Mittelohrs, des Gehirns oder des Herzmuskels sind mögliche Komplikationen einer Grippeerkrankung.

Grippe: Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Grippe unter anderem für Personen, die bei einer Grippeerkrankung ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgen haben. Dazu gehören Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch ein Grundleiden wie zum Beispiel

  • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma),
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen,
  • Leber- oder Nierenkrankheiten,
  • Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten,
  • chronische neurologische Krankheiten wie multiple Sklerose,
  • angeborene oder später erworbene Störungen des Immunsystems,
  • HIV-Infektion.

Ebenfalls empfohlen wird die Grippeimpfung von der STIKO für

  • Menschen, die 60 Jahre und älter sind,
  • Schwangere, die während der Influenzasaison schwanger sind, ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei zusätzlichen Gesundheitsrisiken schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel,
  • Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen,
  • Personen mit stark erhöhtem Risiko sich anzustecken (z. B. Personal in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr oder Beschäftigte im medizinischen Bereich mit Patientenkontakt),
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

Auch für Reisende kann die Impfung unter Umständen sinnvoll sein, je nach Ziel und eigenem Gesundheitszustand. 

Wird regional oder weltweit ein besonders starker Ausbruch (Epidemie oder Pandemie) erwartet, rufen die Gesundheitsbehörden eventuell noch einmal gesondert zu Impfungen auf, um eine weitere schnelle Ausbreitung des Virus zu verhindern oder vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen.

 

Die beste Zeit für die Schutzimpfung

Eine einmalige Impfung – am besten im Herbst – bietet in der Regel ausreichend Schutz für die gesamte Grippesaison. Weil sich die Grippeviren sehr schnell verändern können, sollte die Impfung jährlich mit dem aktuellen Impfstoff erneut durchgeführt werden. Dieser schützt gegen die Grippevirusvarianten, die voraussichtlich in der aktuellen Saison am meisten verbreitet sein werden. Bisher standen sogenannte trivalente Impfstoffe, die gegen drei Varianten schützen, zur Verfügung. Seit der Saison 2013/2014 stehen auch sogenannte tetravalente Impfstoffe gegen insgesamt vier Grippevirusvarianten zur Verfügung.

Kinder können ab einem Alter von 6 Monaten gegen Grippe geimpft werden.

Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren, die infolge eines Grundleidens eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung aufweisen, sollten wie Erwachsene jeweils im Herbst gegen die saisonale Grippe geimpft werden.

Säuglinge und Kleinkinder (6 bis <36 Monate ) erhalten in der Regel die halbe Erwachsenendosis eines inaktivierten Impfstoffes (Totimpfstoff).

Kinder bis etwa 9 Jahre, die zuvor noch nie gegen Grippe geimpft wurden, erhalten bei der Verwendung des Totimpfstoffs in der Regel zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. (Maßgeblich sind die Angaben in der Fachinformation!)

Für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren steht auch ein sogenannter Lebendimpfstoff zur Verfügung, der nicht wie üblich gespritzt, sondern als Nasenspray verabreicht wird.  Bei einigen Grundkrankheiten wie z. B. Immunschwäche oder schwerem Asthma kann der Lebendimpfstoff nicht eingesetzt werden. Bitte besprechen Sie dies mit der betreuenden Ärztin bzw. dem Arzt.

In dieser Altersgruppe (7 bis 17 Jahre) können entweder ein Totimpfstoff oder der Lebendimpfstoff unter Beachtung möglicher Kontraindikationen und der Wünsche des Impflings bzw. der Eltern gleichermaßen verwendet werden.

 

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Grippeimpfung ist gut verträglich.

Nach der Impfung mit inaktiviertem Impfstoff (Totimpfstoff) kann es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle kommen, die auch schmerzen kann. Ebenso können in den ersten drei Tagen nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Übelkeit oder Muskelschmerzen auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder ab.

Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Bei weniger als einem von 10.000 Geimpften wurden allergische Reaktionen an der Haut und in den Bronchien beobachtet. Kleine Blutgefäße können sich ebenfalls sehr selten entzünden, oder die Zahl der Blutplättchen (verantwortlich für die Blutgerinnung) kann sich vorübergehend verringern.

Beim Lebendimpfstoff ist die am häufigsten beobachtete Nebenwirkung eine verstopfte Nase. Darüber hinaus können vorübergehendes Unwohlsein, verminderter Appetit oder Kopfschmerzen auftreten. Gelegentlich wurden Überempfindlichkeitsreaktionen und Hautauschlag beobachtet. In den ersten ein bis zwei Wochen nach der Impfung mit dem Lebendimpfstoff sollte Ihr Kind möglichst keinen Kontakt zu stark immungeschwächten Personen haben, weil theoretisch das Risiko einer Virusübertragung besteht. Berichte über solche Übertragungen sind bislang in der wissenschaftlichen Literatur jedoch noch nicht zu finden. 

Wichtiger Hinweis
Personen, bei denen eine Allergie gegen Hühnereiweiß oder andere Bestandteile des Impfstoffs vorliegt, sollten immer den Arzt/die Ärztin informieren. Bei einer nachgewiesenen schweren Allergie gegen Hühnereiweiß sollten Sie Ihr Kind nicht mit den üblichen Grippeimpfstoffen impfen lassen, weil diese produktionsbedingt Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Bei einer leichten Hühnereiweiß-Allergie kann in der Regel trotzdem geimpft werden. Gegebenenfalls sollte die Impfung unter besonderer Kontrolle stattfinden. Der Lebendimpfstoff kann bei einigen Grundkrankheiten wie z. B. Immunschwäche oder schwerem Asthma sowie bei einer Salicylat-Therapie (bestimmte Schmerzmittel, Fiebersenker) nicht eingesetzt werden.

Besprechen Sie dies bitte mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt.

Grippe: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Wie gefährlich ist die Grippe wirklich?

In einer durchschnittlichen Saison verursachen Grippeerreger 1 bis 7 Millionen zusätzliche Arztbesuche. Die stärke einer Grippe-Welle ist nicht vorhersagbar. Grippe-Viren können schwere Lungenentzündungen verursachen und führen zu einer Schwächung des Immunsystems. Somit wird weiteren Krankheitserregern das Eindringen in den Körper erleichtert. Eine Grippe-Erkrankung kann tödlich verlaufen. Je nach Stärke der Grippe-Welle sterben in Deutschland jährlich mehrere Tausend Menschen an den Folgen einer Grippe.

Was ist eine Grippe, was ist ein grippaler Infekt?

Umgangssprachlich wird häufig der Begriff Grippe auch für so genannte grippale Infekte (Erkältung) verwendet. Obwohl sich die Symptome ähneln können, unterscheiden sich Verlauf und Schwere der Erkrankung deutlich. Charakteristisch für die echte Grippe (Influenza) ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit Fieber und typischen Symptomen wie Halsschmerzen, trockenem Husten und heftigen Kopf-, Muskel- und/oder Gliederschmerzen. Schwere, teilweise lebensbedrohliche Komplikationen einer Grippeerkrankung, z. B. eine Lungenentzündung, stellen vor allem für Personen mit Grunderkrankungen und Ältere ein hohes Risiko dar.

Wird durch die Grippe-Impfung der werdenden Mutter auch das Kind geschützt?

Ja. Durch die Impfung der Mutter werden Antikörper auf das ungeborene Kind weitergegeben, so dass der Säugling in den ersten Lebensmonaten vor der Grippe weitgehend geschützt ist. In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sowohl die Anzahl der Grippe-Erkrankungen als auch die durch Grippe bedingten Krankenhauseinweisungen von Säuglingen durch die Impfung der Mutter gesenkt werden konnten. Säuglinge selbst können erst ab dem sechsten Monat selbst gegen Grippe geimpft werden. Da eine Grippe-Erkrankung bei Neugeborenen auf Grund ihres noch geschwächten Immunsystems jedoch mit erhöhten Komplikationen einhergeht, ist die Impfung der werdenden Mutter von großer Bedeutung.

Kann die Impfung eine Grippeerkrankung auslösen?

Nein. Der Impfstoff enthält Teile der Viren, gegen die die Körperabwehr aktiv werden soll. Durch die Impfung mit einem Totimpfstoff allein ist weder eine Erkrankung möglich noch können Impfviren an Dritte weitergegeben werden.

Bei dem für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren zugelassenen Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Viren enthält, ist hingegen lediglich zu beachten, dass Kinder in den ersten 1 bis 2 Wochen nach der Impfung möglichst keinen Kontakt zu stark immungeschwächten Personen haben sollten, weil theoretisch das Risiko einer Virusübertragung besteht. Berichte über solche Übertragungen sind bislang in der wissenschaftlichen Literatur jedoch nicht zu finden.

Die Grippeimpfung bietet - unabhängig von der Art des Impfstoffes - allerdings keinen 100%igen Schutz. Deshalb kann es auch bei Geimpften trotzdem zu einer Grippeerkrankung kommen. Dies hat unter anderem mit den sich ständig ändernden Eigenschaften des Grippevirus zu tun. Eine Erkrankung ist zudem möglich, wenn die Infektion kurz vor der Impfung oder in den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Impfung stattgefunden hat. Allerdings kann jeder sein persönliches Risiko, an einer Grippe zu erkranken, durch die Impfung erheblich verringern. Bei Geimpften verläuft eine Erkrankung in der Regel auch milder, ohne Komplikationen oder völlig unbemerkt.

Was ist bei dem Lebendimpfstoff gegen Grippe zu beachten?

Seit Winter 2012/2013 steht in Deutschland ein Lebendimpfstoff gegen Grippe zur Verfügung, der für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren zugelassen ist und als Nasenspray verabreicht wird. Dieser Impfstoff schützt vor den gleichen Grippeviren wie die anderen Impfstoffe in diesem Winter. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren, die aufgrund einer Grundkrankheit ein erhöhtes Risiko haben, Komplikationen zu erleiden, entweder mit dem Lebendimpfstoff oder einem inaktiviertem Impfstoff (Totimpfstoff) zu impfen. Bei einigen Grundkrankheiten wie z. B. Immunschwäche oder schwerem Asthma kann der Lebendimpfstoff jedoch nicht eingesetzt werden. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin über die Impfung.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht beurteilt werden, welcher der verfügbaren Impfstoffe (Lebendimpfstoff oder inaktivierter Impfstoff) die bessere Wirksamkeit hat.

Mehr Antworten finden Sie auf der Seite Grippeimpfung: Fragen und Antworten