Meningokokken-Impfung bei Kindern

Infektion

Meningokokken sind weltweit vorkommende Bakterien, die eine bakterielle Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung auslösen können. Kinder unter fünf Jahren und Jugendliche zählen zu den besonderen Risikogruppen.

Meningokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien der Art Neisseria meningitidis verursacht. Aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen werden 12 verschiedene Untergruppen unterschieden, sogenannte Serogruppen. Am häufigsten werden Erkrankungen durch die Serotypen A, B, C, W135 und Y verursacht, wobei die verschiedenen Erreger weltweit unterschiedlich häufig vorkommen. So sind Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe A Ursache für ausgedehnte Epidemien in Afrika, vor allem südlich der Sahara. In Europa, auch in Deutschland, kommen hauptsächlich Infektionen mit Bakterien der Serogruppe B und C vor.

Fachleute gehen in Deutschland von über 700 Meningokokken-Erkrankungen pro Jahr aus. Durch die Serogruppe B verursachte Erkrankungen sind in Deutschland häufiger, verlaufen in der Regel jedoch auch leichter. Von einer Erkrankung der Serogruppe C sind jedes Jahr ungefähr 210 Menschen betroffen. Am häufigsten erkranken Kinder unter fünf Jahren an einer Meningokokken-Infektion, wobei die höchste Erkrankungsrate in den ersten beiden Lebensjahren liegt. Ein weiterer, kleinerer Erkrankungsgipfel zeigt sich bei Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren.

Krankheitsbild und Ansteckungsgefahr

Meningokokken werden über Tröpfcheninfektion, das heißt vor allem über Husten oder Niesen, und über den direkten engen Kontakt, beispielsweise beim Küssen, übertragen. An der Luft sterben die Erreger schnell ab, so dass eine Infektion bei üblichen Alltagskontakten nicht möglich ist.

Eine Ansteckung kann zu einer Entzündung der Hirnhäute (der Menigokokken-Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (sogenannte Meningokokken-Sepsis) führen. In manchen Fällen treten beide Erkrankungen gleichzeitig auf. In rund 70 Prozent der Krankheitsfälle tritt eine Hirnhautentzündung auf, mehr als ein Drittel erkrankt an einer Blutvergiftung und in acht Prozent der Fälle kommt es zu einer Mischform beider Erkrankungen (2005). Eine Komplikation der Blutvergiftung durch Meningokokken ist der septische Schock, das sogenannten Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, an dem ein Drittel der Betroffenen verstirbt. Die Gesamtsterblichkeit aller Meningokokken-Erkrankungen lag 2005 bei 7,1 Prozent.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Erkrankung dauert es in der Regel drei bis vier Tage. In manchen Fällen sind zwei bis zehn Tage möglich. Zunächst treten kurz grippeähnlichen Symptome auf. Dazu setzen in der Folge plötzlich starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifheit ein. Bei einem großen Teil der Erkrankten treten zusätzlich kleine, punktförmige Hautblutungen auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig schwieriger zu deuten. Wenn ein Kind Fieber hat, schrill schreit, sehr unruhig oder auch auffallend teilnahmslos ist, die Nahrung verweigert und dabei eventuell erbricht oder Durchfall hat und empfindlich auf Berührungen reagiert, sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden.

Können Meningokokken-Erkrankungen behandelt werden und welche Folgeschäden sind möglich?

Meningokokken-Erkrankungen müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen und häufig Komplikationen nach sich ziehen. Hier wird das erkrankte Kind in jedem Fall mit Antibiotika behandelt und gegebenenfalls intensiv-medizinisch betreut. Engen Kontaktpersonen von Erkrankten wird empfohlen schnellstmöglich eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika zu beginnen, um eine Erkrankung zu verhindern.

Die Blutvergiftung durch Meningokokken (Meningokokken-Sepsis) verläuft oft sehr schwer mit hoher Sterblichkeit. Spätfolgen können schwere Organschäden und ein durch verminderte Durchblutung so ausgeprägter Gewebezerfall einzelner Gliedmaßen sein, dass eine Amputation eines Körperteils notwendig ist. Die Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) verläuft insgesamt leichter und kann besser behandelt werden. Dennoch ist die Sterblichkeit auch hier, trotz bester medizinischer Versorgung, mit ein bis drei Prozent der betroffenen Kinder hoch. Bei rund jedem zehnten Erkrankten treten als Folge der Erkrankung  Entwicklungsstörungen auf. Auch Lähmungen, Hirnnervenlähmungen, Krampfanfälle und Schäden des Innenohres bis hin zur Taubheit sind möglich.

Impfung

Ein Impfstoff ist bis jetzt nur gegen Erreger der Serogruppe C verfügbar, die neben der Gruppe B in Deutschland vorkommt. Eine einmalige Impfung im zweiten Lebensjahr schützt sicher und zuverlässig vor dieser Infektion. In einigen europäischen Nachbarländern mit häufigerem Auftreten von Meningokokken-C-Erkrankungen wird die Impfung schon seit längerer Zeit empfohlen. Dies hat dort zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankungszahlen geführt.

Aufgrund der Schwere der Erkrankung, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit empfiehlt die STIKO - nach Prüfung der Erfahrungen anderer Länder - seit Juli 2006 eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensmonat. Aufgrund langjähriger Erfahrungen und sorgfältiger Prüfungen des Impfstoffes kann davon ausgegangen werden, dass die Impfung sehr gut verträglich ist und nur selten Nebenwirkungen auftreten.