FSME-Impfung bei Erwachsenen



FSME: Ansteckung

FSME ist die Abkürzung für „Frühsommer-Meningoenzephalitis“. Hierbei handelt es sich um eine Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung, die durch Viren verursacht wird. Die Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Sehr selten wurden auch Infektionen durch den Genuss von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.
Die Grafik zeigt einen Anschnitt der Deutschlandkarte. Zu sehen sind die FSME-Risikogebiete, die rot hinterlegt sind. Diese sind hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg.

© BZgA
FSME-Risikogebiete in Deutschland. Basis: FSME Erkrankungen 2002 bis 2016, die dem Robert Koch-Institut übermittelt wurden. Stand: April 2017

Vorkommen der FSME

In Deutschland kommt die FSME vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch im südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen vor. Außerdem betroffen sind die Landkreise Marburg-Biedenkopf (in Mittelhessen), Saar-Pfalz-Kreis (im Saarland), Birkenfeld (in Rheinland-Pfalz) und Vogtlandkreis (in Sachsen). Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht in jedem Frühjahr eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland.

Außerhalb der Risikogebiete werden in Deutschland nur vereinzelte FSME-Infektionen beobachtet.

Die Hauptübertragungszeit der FSME liegt zwischen April und November, bei mildem Wetter vereinzelt auch im Winter. Krankheitsübertragende Zecken kommen in Mitteleuropa bis in Höhen über 1300 m vor.

Weitere FSME-Risikogebiete

Die FSME tritt auch in zahlreichen weiteren europäischen Ländern auf. Risikogebiete befinden sich in Österreich, der Nord-Schweiz, im Baltikum (Estland, Lettland, Litauen), in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Polen, Russland, Weißrussland, in Südschweden, Dänemark, Finnland, in Norditalien, Slowenien, Kroatien, Rumänien und Albanien. Nahe Verwandte der hiesigen FSME-Viren sind von Nord-Ost-Europa über Sibirien und China bis hin nach Japan verbreitet. Sie verursachen ein der FSME ähnliches Krankheitsbild, die RSSE (Russian Spring-Summer-Encephalitis).

In den letzten Jahren lag die Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen in Deutschland zwischen 200 und 550 jährlich.

 

Gemeldete FSME-Fälle in Deutschland 2003 bis 2017

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 13.12.2017*

Altersgruppierung: Kinder fein differenziertErkrankungen
2003277
2004275
2005432
2006546
2007239
2008289
2009313
2010260
2011424
2012195
2013420
2014264
2015219
2016348
*2017454


Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) empfiehlt allen Menschen, die sich in FSME-Risikogebieten öfter in der freien Natur aufhalten, eine Impfung gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit.

 

Zusätzlicher Schutz vor Zeckenstichen

  • Zusätzlich sollten allgemeine Maßnahmen gegen Zeckenstiche ergriffen werden. Dazu gehört das Tragen geschlossener Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt) in der Natur, denn Zecken sitzen häufig im Gras, Gebüsch oder Unterholz. Entgegen landläufiger Meinung lassen sie sich normalerweise nicht von Bäumen auf ihre Opfer herabfallen.
    Auch zeckenabweisende Mittel, auf unbedeckte Hautstellen und Kleidung aufgetragen, bieten einen gewissen Schutz, der aber nur wenige Stunden anhält.
  • Zecken können neben der FSME auch noch verschiedene andere Krankheiten, insbesondere die sogenannte Borreliose, übertragen. Diese Krankheit wird durch Bakterien verursacht und tritt in allen Teilen Deutschlands auf. Sie kann unerkannt und unbehandelt zu chronischen Schädigungen unter anderem des Herzens, der Nerven und der Gelenke führen. Leider gibt es gegen diese Krankheit bisher noch keine Impfung. Die Borreliose kann aber, im Gegensatz zur FSME, mit bestimmten Antibiotika behandelt werden.
    Die Erreger der Borreliose gehen meist erst nach einer mehrstündigen Saugzeit der Zecke auf den Menschen über. Deshalb sollten nach dem Aufenthalt in der freien Natur Körper und Kleidung sorgfältig auf Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden.
    Gegen die FSME ist diese Maßnahme leider nicht so wirksam, da die FSME-Viren schon zu Beginn des Zeckenstichs übertragen werden können.

FSME: Krankheitsverlauf

Nach dem Stich einer mit FSME infizierten Zecke entwickelt ca. jeder Dritte Krankheitszeichen. Etwa ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich treten zunächst grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel auf, die sich nach einigen Tagen wieder zurückbilden. Für die meisten der Betroffenen ist die Krankheit hiermit überstanden.

Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es aber nach etwa einer Woche zu einem zweiten Krankheitsgipfel mit hohem Fieber, Erbrechen und Entzündungszeichen von Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark (Meningoenzephalitis, Myelitis). Weitere mögliche Krankheitszeichen sind Bewegungsstörungen, Lähmungen oder verändertes Bewusstsein bis hin zum Koma. Bei älteren Menschen ist häufig auch das Rückenmark mitbetroffen, was zu Schluck- und Sprachbeschwerden, Lähmungen im Gesichtsbereich sowie Atemlähmungen führen kann.

Bei etwa jedem fünften Erkrankten mit Zeichen einer Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung bleiben lang anhaltende oder dauerhafte Schäden zurück. Etwa jeder Hundertste mit diesen schweren Komplikationen stirbt an der Infektion. Schwere Krankheitsverläufe kommen überwiegend im Erwachsenenalter vor.

Eine ursächliche Behandlung gegen die FSME gibt es nicht. Es können nur die Krankheitszeichen, wie z. B. das Fieber, behandelt werden.

 

Gemeldete FSME-Fälle 2016, aufgeteilt nach Altersgruppen

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 23.08.2017

AltersgruppierungErkrankungen
0 - 48
5 - 912
10 - 1411
15 - 1911
20 - 2414
25 - 2915
30 - 3930
40 - 4956
50 - 5986
60 - 6966
70+39

FSME: Impfung

Die STIKO empfiehlt eine Impfung allen Personen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten. Dies gilt für alle, die sich während der wärmeren Monate April bis November häufig und lange in der Natur aufhalten wie Camper, Radfahrer, Jogger, Spaziergänger, aber auch Forstarbeiter und Beschäftigte in der Landwirtschaft.

Für gefährdete Bevölkerungsgruppen übernehmen innerhalb Deutschlands in der Regel die Krankenversicherungen die Kosten der Impfung. Ausnahmen sind beruflich bedingte Impfungen (z.B. bei Forstarbeitern) und, je nach Krankenkasse, auch Reiseimpfungen vor Auslandsreisen.

 

Grundimmunisierung

Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich. Nach dem üblichen Impfschema wird ein bis drei Monate nach der ersten Impfung die zweite Impfdosis verabreicht. Eine dritte Impfung erfolgt dann, je nach verwendetem Impfstoff, nach weiteren 5-12 bzw. 9-12 Monaten.

Um schon zu Beginn der Zeckensaison ab April für das laufende Jahr geschützt zu sein, ist es sinnvoll, mit der Impfserie in den Wintermonaten zu beginnen. Ab 14 Tagen nach der zweiten Impfung besteht für 90 Prozent der Geimpften bereits ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Für eine länger anhaltende Schutzwirkung ist dann die dritte Impfung erforderlich.
Besonders bei Personen, die einem anhaltenden Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, sollte möglichst dieses Impfschema angewandt werden, da es die höchste Schutzwirkung bietet.

 

Auffrischungsimpfungen

Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko wird eine erste Auffrischungsimpfung nach 3 Jahren empfohlen. Die nachfolgenden Auffrischungen sind dann alle 5 Jahre erforderlich. Je nach verwendetem Impfstoff sollte die Impfung ab dem Alter von 50 bzw. 60 Jahren alle 3 Jahre aufgefrischt werden.

 

Schnellschema

Wird ein besonders schneller Schutz benötigt, z.B. bei kurzfristig geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete, kann eine Impfung nach dem sogenannten „Schnellschema“ durchgeführt werden. Hierbei hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Es sind zwei bis drei Impfungen nötig. Ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre kann damit schon 3 bis 5 Wochen nach der ersten Impfung erreicht werden. Je nach verwendetem Impfstoff wird eine vorgezogene Auffrischungsimpfung erforderlich. Bitte fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt nach dem am besten für Sie geeigneten Impfschema.

Die in Deutschland erhältlichen Impfstoffe schützen übrigens auch vor den nahen Verwandten der hiesigen FSME-Virusstämme, die im östlichen Europa und in Asien vorkommen. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose hat die FSME-Impfung keine Schutzwirkung.

Tipp: Nach jedem Zeckenstich sollte auch der Tetanus-Impfschutz überprüft werden!

 

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Am häufigsten werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle beschrieben. Diese Beschwerden treten auch bei vielen anderen Impfungen auf und zeigen an, dass der Körper sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt.
Innerhalb der ersten vier Tage nach der Impfung können weiterhin Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung und Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen.
In der Regel klingen die beschriebenen Erscheinungen rasch wieder ab und hinterlassen keine Folgeschäden. Sie treten vor allem bei der ersten Impfung, seltener bei den Folgeimpfungen auf.

Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten. In Einzelfällen wurden (vor allem bei Erwachsenen) Erkrankungen des Nervensystems, z.B. Lähmungen beschrieben, die auch länger anhalten können.

Wichtiger Hinweis
Bei einer nachgewiesenen schweren Allergie gegen Hühnereiweiß sollten Sie zusammen mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt den Nutzen und die Risiken der Impfung gegeneinander abwägen.

FSME: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

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