Polio-Impfung bei Erwachsenen

Kinderlähmung wird durch Viren verursacht. Sie werden nur von Mensch zu Mensch übertragen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich eine Welt ohne Polio zum Ziel gesetzt: Nord- und Südamerika sind seit 1994 poliofrei, der westpazifische Raum seit 2000, der europäische Raum seit 2002. Noch tritt Polio jedoch in einigen Ländern und Regionen auf (beispielsweise in Afghanistan, Pakistan und Nigeria). Ohne ausreichend geimpfte Bevölkerung könnte die Kinderlähmung auch nach Deutschland zurückkehren.



Polio: Ansteckung

Polio-Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden und vorwiegend durch Schmierinfektion (Stuhl-Hand-Mund) übertragen. Auch eine Ansteckung per Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) ist möglich. Ebenso kann verschmutztes Trinkwasser eine Infektionsquelle sein. Patienten mit gestörtem Immunsystem bleiben unter Umständen über viele Jahre hinweg ansteckend.


Polio: Krankheitsverlauf

Die Zeit zwischen Infektion und Erkrankung beträgt 3 bis 35 Tage. Rund 95 Prozent der Infizierten merken nichts davon. Fieber, Hals- und Kopfschmerzen - meist als (Sommer-)Grippe verkannt - erleben etwa 5 Prozent, bei jedem 100. bis 1.000. Infizierten kommt es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur, schlimmstenfalls auch der Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur.

Zu den Komplikationen der Polio zählen bleibende Lähmungen und dadurch auch Muskelschwund, vermindertes Knochenwachstum sowie Gelenkzerstörung. Noch Jahrzehnte nach der Infektion können erneut Muskelschmerzen und Lähmungen auftreten (Post-Polio-Syndrom).

Weder die Erkrankung selbst noch das Post-Polio-Syndrom kann behandelt werden, man kann nur die Symptome lindern.

Polio: Impfung

Jeder sollte geschützt sein. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Kinderlähmung (Polio) allen Personen, die keine oder nur eine unvollständige Grundimmunisierung haben bzw. die nicht mindestens eine Auffrischimpfung erhalten haben.

 

Grundimmunisierung

Normalerweise erfolgt die Grundimmunisierung im Kindesalter. Sie kann aber jederzeit nachgeholt werden: zwei oder drei Injektionen im Abstand von mindestens vier Wochen bis zu sechs Monaten.

 

Auffrischimpfung

Eine routinemäßige Auffrischung nach dem 18. Lebensjahr wird allen empfohlen, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben, wie beispielsweise Personal, das mit möglicherweise Erkrankten oder deren Körperausscheidungen in Kontakt kommt oder Reisende in Regionen, in denen Polio-Erkrankungen noch auftreten. Jeder, der Kontakt zu einem Polio-Erkrankten hatte, sollte (unabhängig vom Impfstatus) sofort geimpft werden.

 

Impfstoffe

Es gibt verschiedene Einzel- und Kombinationsimpfstoffe für Erwachsene. Nicht alle sind geeignet, um im Erwachsenenalter noch eine Grundimmunisierung durchzuführen, aber alle eignen sich für die Auffrischimpfung. Sie enthalten eine oder mehrere Komponenten zum Schutz gegen Tetanus, Diphtherie und/oder Pertussis (Keuchhusten) und/oder Polio (Kinderlähmung).

Ihr Arzt/Ihre Ärztin berät Sie, welche Impfung für Sie sinnvoll ist und ob sie mit einer Impfung gegen Pertussis (Keuchhusten) kombiniert werden sollte.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist gut verträglich. Nur selten kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Selten können in den ersten drei Tagen nach der Impfung auch Allgemeinsymptome wie beispielsweise eine Temperaturerhöhung, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.

Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen wurden allergische Reaktionen beobachtet. Wird ein Kombinationsimpfstoff verwendet, können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, die Unterschiede sind jedoch nicht groß.

Polio: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)