FSME-Impfung bei Kindern



FSME: Ansteckung

FSME ist die Abkürzung für „Frühsommer-Meningoenzephalitis“. Hierbei handelt es sich um eine Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung, die durch Viren verursacht wird. Die Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Sehr selten wurden auch Infektionen durch den Genuss von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

© BZgA
FSME-Risikogebiete in Deutschland. Basis: FSME Erkrankungen 2002 bis 2017, die dem Robert Koch-Institut übermittelt wurden. Stand: April 2018

Vorkommen der FSME

In Deutschland kommt die FSME vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch im südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen vor. Außerdem betroffen sind die Landkreise Marburg-Biedenkopf (in Mittelhessen), Saar-Pfalz-Kreis (im Saarland), Birkenfeld (in Rheinland-Pfalz) und Vogtlandkreis (in Sachsen) . Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht in jedem Frühjahr eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland.

Außerhalb der Risikogebiete werden in Deutschland nur vereinzelte FSME-Infektionen beobachtet.

Die Hauptübertragungszeit der FSME liegt zwischen April und November, bei mildem Wetter vereinzelt auch im Winter. Krankheitsübertragende Zecken kommen in Mitteleuropa bis in Höhen über 1300 m vor.

Weitere FSME-Risikogebiete

Die FSME tritt auch in zahlreichen weiteren europäischen Ländern auf. Risikogebiete befinden sich in Österreich, der Nord-Schweiz, im Baltikum (Estland, Lettland, Litauen), in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Polen, Russland, Weißrussland, in Südschweden, Dänemark, Finnland, in Norditalien, Slowenien, Kroatien, Rumänien und Albanien. Nahe Verwandte der hiesigen FSME-Viren sind von Nord-Ost-Europa über Sibirien und China bis hin nach Japan verbreitet. Sie verursachen ein der FSME ähnliches Krankheitsbild, die RSSE (Russian Spring-Summer-Encephalitis).

In den letzten Jahren lag die Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen in Deutschland zwischen 200 und 550 jährlich.

 

Gemeldete FSME-Fälle in Deutschland 2003 bis 2017

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 13.12.2017*

Altersgruppierung: Kinder fein differenziertErkrankungen
2003277
2004275
2005432
2006546
2007239
2008289
2009313
2010260
2011424
2012195
2013420
2014264
2015219
2016348
*2017454

Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfiehlt allen Menschen, die sich in FSME-Risikogebieten öfter in der freien Natur aufhalten, eine Impfung gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit.

 

Zusätzlicher Schutz vor Zeckenstichen

  • Zusätzlich sollten allgemeine Maßnahmen gegen Zeckenstiche ergriffen werden. Dazu gehört das Tragen geschlossener Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt) in der Natur, denn Zecken sitzen häufig im Gras, Gebüsch oder Unterholz. Entgegen landläufiger Meinung lassen sie sich normalerweise nicht von Bäumen auf ihre Opfer herabfallen.
    Auch zeckenabweisende Mittel, auf unbedeckte Hautstellen und Kleidung aufgetragen, bieten einen gewissen Schutz, der aber nur wenige Stunden anhält.
  • Zecken können neben der FSME auch noch verschiedene andere Krankheiten, insbesondere die sogenannte Borreliose, übertragen. Diese Krankheit wird durch Bakterien verursacht und tritt in allen Teilen Deutschlands auf. Sie kann unerkannt und unbehandelt zu chronischen Schädigungen unter anderem des Herzens, der Nerven und der Gelenke führen. Leider gibt es gegen diese Krankheit bisher noch keine Impfung. Die Borreliose kann aber, im Gegensatz zur FSME, mit bestimmten Antibiotika behandelt werden.
    Die Erreger der Borreliose gehen meist erst nach einer mehrstündigen Saugzeit der Zecke auf den Menschen über. Deshalb sollten nach dem Aufenthalt in der freien Natur Körper und Kleidung sorgfältig auf Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden.
    Gegen die FSME ist diese Maßnahme leider nicht so wirksam, da die FSME-Viren schon zu Beginn des Zeckenstichs übertragen werden können.

FSME: Krankheitsverlauf

Eine FSME verläuft bei Kindern meist leichter als bei Erwachsenen und älteren Jugendlichen. Etwa ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich treten zunächst grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel auf, die sich nach einigen Tagen wieder zurückbilden. Für die meisten der Betroffenen ist die Krankheit hiermit überstanden.

In einem zweiten Krankheitsgipfel können Zeichen einer Gehirnhautentzündung mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Erbrechen aufterten. Das Gehirn selbst und das Rückenmark wird bei Kindern aber seltener angegriffen als bei Erwachsenen.  Meist heilt die Krankheit ohne bleibende Schäden aus. In etwa einem Viertel der Fälle kann es jedoch auch bei Kindern zu einer schweren Erkrankung kommen, die bei 2 bis 3 von 100 erkrankten Kindern Langzeitschäden an Gehirn und Nerven hinterlässt.

Im Jugendalter und bei Erwachsenen steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auf 30 bis 40 Prozent. Eine ursächliche Behandlung gegen die FSME gibt es nicht. Es können nur die Krankheitszeichen, wie z. B. das Fieber, behandelt werden.

 

Gemeldete FSME-Fälle 2016, aufgeteilt nach Altersgruppen

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 23.08.2017

AltersgruppierungErkrankungen
0 - 48
5 - 912
10 - 1411
15 - 1911
20 - 2414
25 - 2915
30 - 3930
40 - 4956
50 - 5986
60 - 6966
70+39

FSME: Impfung

Auch wenn die FSME besonders bei Kleinkindern seltener auftritt und leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft, kann sie doch in einigen Fällen zu einer schweren Erkrankung, manchmal mit lang anhaltenden Schäden führen.
Den sichersten Schutz gegen eine FSME bietet die Schutzimpfung. Kinder können ab dem ersten Geburtstag geimpft werden. Bei Kindern unter drei Jahren kann es durch die Impfung in bis zu 15 Prozent der Fälle zu einer Fieberreaktion kommen. Deshalb sollte in diesem Alter mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprochen werden, wie hoch das tatsächliche Ansteckungsrisiko für das Kind im Einzelfall ist.

Die STIKO empfiehlt eine Impfung allen Personen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten. Dies gilt für alle, die sich häufig und lange in der Natur aufhalten wie Camper, Radfahrer, Jogger, Spaziergänger oder Kinder, die oft im Freien spielen, vor allem während der wärmeren Monate April bis November.

Für gefährdete Bevölkerungsgruppen übernehmen innerhalb Deutschlands in der Regel die Krankenversicherungen die Kosten der Impfung. Ausnahmen sind - je nach Krankenkasse - Reiseimpfungen vor Auslandsreisen.

 

Grundimmunisierung

Für den Aufbau eines länger anhaltenden Impfschutzes sind drei Impfungen erforderlich. Nach dem üblichen Impfschema wird ein bis drei Monate nach der ersten Impfung die zweite Impfdosis verabreicht. Eine dritte Impfung erfolgt dann, je nach verwendetem Impfstoff, nach weiteren 5-12 bzw. 9-12 Monaten.

Um schon zu Beginn der Zeckensaison ab April für das laufende Jahr geschützt zu sein, ist es sinnvoll, mit der Impfserie in den Wintermonaten zu beginnen. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht für 90 Prozent der Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Für eine länger anhaltende Schutzwirkung ist dann die dritte Impfung erforderlich.

 

Auffrischungsimpfungen

Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko wird eine erste Auffrischungsimpfung 3 Jahre nach vollständiger Grundimmunisierung empfohlen, die nachfolgenden Auffrischungen sind dann alle 5 Jahre erforderlich.

 

Schnellschema

Wird ein besonders schneller Schutz benötigt, z.B. bei kurzfristig geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete, kann eine Impfung nach dem sogenannten „Schnellschema“ durchgeführt werden. Hierbei hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Es sind zwei bis drei Impfungen nötig. Ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre kann damit schon 3 bis 5 Wochen nach der ersten Impfung erreicht werden. Je nach verwendetem Impfstoff wird eine vorgezogene Auffrischungsimpfung erforderlich. Bitte fragen Sie Ihre Kinderärztin bzw. Ihren Kinderarzt nach dem am besten geeigneten Impfschema.

Die in Deutschland erhältlichen Impfstoffe schützen übrigens auch vor den nahen Verwandten der hiesigen FSME-Virusstämme, die im östlichen Europa und in Asien vorkommen. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose hat die FSME-Impfung keine Schutzwirkung.

Tipp: Nach jedem Zeckenstich sollte auch der Tetanus-Impfschutz überprüft werden!

 

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Am häufigsten werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle beschrieben. Diese Beschwerden treten auch bei vielen anderen Impfungen auf und zeigen an, dass der Körper sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt.
Innerhalb der ersten vier Tage nach der Impfung können weiterhin Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung und Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen.
Kinder unter 3 Jahren entwickeln in bis zu 15 Prozent der Fälle Fieberreaktionen nach der FSME-Impfung. Deshalb sollten in diesem Alter der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit den Eltern die Notwendigkeit der Impfung prüfen.
In der Regel klingen die beschriebenen Erscheinungen rasch wieder ab und hinterlassen keine Folgeschäden. Sie treten vor allem bei der ersten Impfung, seltener bei den Folgeimpfungen auf.

Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten. In Einzelfällen wurden (vor allem bei Erwachsenen) Erkrankungen des Nervensystems, z.B. Lähmungen beschrieben, die auch länger anhalten können.

Wichtiger Hinweis
Bei einer nachgewiesenen schweren Allergie gegen Hühnereiweiß sollten Sie zusammen mit der Kinderärztin bzw. dem Kinderarzt den Nutzen und die Risiken der Impfung gegeneinander abwägen.

FSME: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Link-Tipps