Masern-Impfung bei Kindern

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen: Fast alle Menschen ohne entsprechenden Immunschutz erkranken nach einem Kontakt mit dem Virus. Insbesondere bei Kindern unter 5 Jahren (und Erwachsenen über 20 Jahren) können Masern zu schweren Komplikationen führen. Dazu gehören Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen und Durchfälle, seltener auch eine Gehirnentzündung und es kann zu Spätfolgen kommen. Durch zwei Impfungen werden Kinder gut vor Masern geschützt.

Gut zu wissen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Kinder als bestmögliche Impfzeitpunkte zwei Impfungen gegen Masern ab einem Alter von 11 Monaten:

  • Die erste Impfung sollte zwischen vollendetem 11. und 14. Lebensmonat gegeben werden (frühestens mit 9 Monaten, wenn z. B. Ansteckungsgefahr herrscht oder das Kind in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut wird).
  • Die zweite Impfung erfolgt spätestens vor dem zweiten Geburtstag.
  • Zwischen beiden Impfungen müssen mindestens vier Wochen Abstand liegen.

Die Impfung erfolgt in Kombination mit der Impfung gegen Mumps, Röteln (MMR) und ggf. Windpocken (MMRV).

Nach dem Masernschutzgesetz müssen Eltern nachweisen, dass ihre Kinder ab einem Alter von einem Jahr vor Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindergarten oder Schule die von der STIKO empfohlenen Impfungen gegen Masern erhalten haben. Dies gilt auch für Personen, die bereits vier Wochen in einem Kinderheim betreut werden oder in einer Unterkunft für Geflüchtete untergebracht sind.

 



Masern: Ansteckung

Masern werden durch Viren verursacht, die weltweit verbreitet sind. Sie gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Übertragen werden Masern von Mensch zu Mensch, z.B. beim Niesen oder Sprechen (Tröpfcheninfektion). In der Regel erkranken alle Personen, die Kontakt zu einem Erkrankten hatten, sofern sie nicht geimpft bzw. durch eine durchgemachte Masernerkrankung geschützt sind. Masern sind bereits mehrere Tage vor Auftreten der ersten Krankheitszeichen ansteckend.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern weltweit auszurotten. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen sank die Anzahl der Maserntoten weltweit von 873.000 im Jahr 1999 auf 164.000 im Jahr 2008. Ganz Nord- und Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und einige Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hundert Menschen an Masern, selten treten auch Todesfälle auf.

 

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2002 bis 2020

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, https://survstat.rki.de/, Datenstand 12.02.2020*

Altersgruppierung: Kinder fein differenziertErkrankungen
20024656
2003777
2004123
2005781
20062308
2007566
2008915
2009572
2010780
20111608
2012165
20131770
2014442
20152465
2016325
2017924
2018544
2019514
*202013

 

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2019 – nach Altersgruppen

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, https://survstat.rki.de/, Datenstand 01.01.2020

AltersgruppierungErkrankungen
0 Jahre33
1 Jahr27
2 Jahre16
3 Jahre11
4 Jahre11
5-9 Jahre37
10-14 Jahre46
15-19 Jahre55
20-24 Jahre73
25-29 Jahre49
30-39 Jahre81
40-49 Jahre53
50-59 Jahre16
60-69 Jahre1
70 Jahre älter2
Unbekannt0

Das Ziel: Maximal 80 Fälle pro Jahr

Zahlen zu Masernerkrankungen werden in Deutschland erst seit Einführung der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 erfasst. Parallel hat die Ständige Impfkommission (STIKO) 2001 die Empfehlung für die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfdosis vom 5. bis 6. Lebensjahr auf das 2. Lebensjahr vorgezogen, um frühzeitiger einen vollständigen Immunschutz aufzubauen. In den Folgejahren sind die Masernfälle pro Jahr deutlich gesunken. Der erneute Anstieg der Erkrankungszahlen nach 2005 wurde jedoch durch immer wieder auftretende, regional und zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche verursacht. Fast alle dieser Masernerkrankten waren ungeimpft und zunehmend waren Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Die STIKO hat folglich im Jahr 2010 eine Masernimpfung für bislang nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpfte nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, um die bestehenden Immunitätslücken zu schließen. Denn Masernausbrüche lassen sich erst verhindern, wenn 95 % der Bevölkerung immun sind.


Masern: Krankheitsverlauf

Ungefähr zehn bis zwölf Tage nach der Ansteckung mit Masern kommt es zu starken, grippeähnlichen Symptomen: hohes Fieber, Husten und Schnupfen. An der Wangenschleimhaut tritt ein weißlicher Belag auf - die sogenannten Koplik-Flecken. Erst einige Tage später entwickelt sich der typische Masern-Ausschlag und das Fieber steigt erneut. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab.

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem, zusätzliche Erreger können Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen.

Etwa 10 von 10.000 an Masern erkrankten Personen erleiden eine Gehirnentzündung. Von diesen zehn Erkrankten sterben ein bis zwei. Bei etwa zwei bis drei Betroffenen bleiben schwere Folgeschäden wie eine geistige Behinderung und Lähmungen zurück.

Mögliche Spätfolgen einer Masern-Erkrankung

Sehr selten – in vier bis elf Fällen von 100.000 Masernkranken - kann sechs bis acht Jahre nach der Masernerkrankung eine so genannte SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, auftreten. Kinder, die zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre sind, sind besonders gefährdet (Das Risiko wird auf 20 bis 60 Fälle pro 100.000 Masern-Fälle geschätzt.). Die SSPE ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach zwei bis drei Jahren zum Tod.

Eine ursächliche Therapie gegen Masern gibt es nicht. Nur eine Behandlung der Krankheitszeichen, wie z.B. Fieber, ist möglich. Antibiotika sind gegen Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, wirkungslos. Sie können in der Regel erst zum Einsatz kommen, wenn bakteriell verursachte Komplikationen auftreten. Auch deswegen bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Masern: Impfung

Kinder können durch eine zweimalige Impfung wirksam gegen Masern geschützt werden. Gegen Masern wird in Kombination zusammen mit Mumps, Röteln und ggf. Windpocken geimpft:

Die erste Teilimpfung sollte zwischen vollendetem 11. und 14. Lebensmonat gegeben werden (frühestens mit 9 Monaten, wenn z. B. Ansteckungsgefahr herrscht oder das Kind in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut wird).
Die zweite Impfung soll frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres, mit 23 Monaten, gegeben werden.

Die 2. Impfung ist keine so genannte „Auffrischimpfung“, sondern wichtig für einen sicheren und kompletten Impfschutz. Verpasste oder verschobene Impfungen sollten so bald wie möglich nachgeholt werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung hat.

Nach dem Masernschutzgesetz müssen Eltern nachweisen, dass ihre Kinder ab einem Alter von einem Jahr vor Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindergarten oder Schule die von der STIKO empfohlenen Impfungen gegen Masern erhalten haben. Dies gilt auch für Personen, die bereits vier Wochen in einem Kinderheim betreut werden oder in einer Unterkunft für Geflüchtete untergebracht sind.

Das Gesetz gilt seit dem 1. März 2020. Alle Personen, die am 1. März 2020 bereits in den betroffenen Einrichtungen betreut wurden, müssen bis zum 31. Juli 2021 einen entsprechenden Nachweis vorlegen. Weitere Informationen zum Masernschutzgesetz unter: www.masernschutz.de.

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Die Impfung ist trotz möglicher Impfreaktionen gut verträglich. Bei etwa 5 von 100 Geimpften kommt es in den ersten drei Tagen nach der Impfung durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Da es sich um eine Lebendimpfung mit abgeschwächten Viren handelt, können ein bis vier Wochen nach der Impfung bei etwa 2 bis 5 von 100 Geimpften leichte, nicht übertragbare „Impf-Masern“ beobachtet werden: Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist gelegentlich möglich. Von Jugendlichen und Erwachsenen (sehr selten bei Kindern) sind Gelenkbeschwerden berichtet worden. Selten wird eine leichte Hodenschwellung beobachtet.

Solche Impfreaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen ohne Folgen wieder ab.

Nebenwirkungen sind selten. Im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung kann es beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Allergische Reaktionen auf den Impfstoff sind möglich, ebenso länger andauernde Gelenkentzündungen. Beides ist aber sehr selten. Nur in Einzelfällen verminderte sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind. Wie in Folge der Krankheit wird als sehr seltene Nebenwirkung auch eine mögliche Gehirnentzündung nach der Impfung diskutiert; weltweit sind diese nach Impfung in wenigen Einzelfällen beobachtet worden. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden.

Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Link-Tipp

  • Masern-Atlas (englisch)

    Visuell aufbereitete und einfach zu verstehende Kartendarstellung, die die Entwicklung und den Fortschritt der Masern-Elimination in Europa nach Ländern und Jahreszahlen zeigt. Bereit gestellt durch das European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC).