Masern-Impfung bei Jugendlichen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich eine Welt ohne Masernkranke zum Ziel gesetzt. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen sank die Anzahl der Maserntoten weltweit von 873.000 im Jahr 1999 auf 164.000 im Jahr 2008. Ganz Nord- und Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und  einige Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. In Deutschland ist dies noch nicht ganz gelungen. Hier erkranken jedes Jahr mehrere hundert Menschen an Masern, selten treten auch Todesfälle auf.



Masern: Ansteckung

Mehr als die Hälfte der Masernfälle in Deutschland betreffen heute Jugendliche über 10 Jahre und junge Erwachsene.

Masern werden durch Viren verursacht. Sie werden nur von Mensch zu Mensch übertragen, meist durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion). Da Masern hochansteckend sind, führt fast jeder Kontakt von ungeschützten Personen mit einem Erkrankten zu einer Ansteckung. Zudem können Masern bereits fünf Tage vor Auftreten des Hautausschlags übertragen werden.

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2001 bis 2018

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand 15.08.2018*

Altersgruppierung: Kinder fein differenziertErkrankungen
20016037
20024656
2003777
2004123
2005781
20062308
2007566
2008915
2009571
2010780
20111609
2012166
20131769
2014442
20152464
2016323
2017930
*2018448

 

Gemeldete Masernfälle in Deutschland 2018 – nach Altersgruppen

Quelle: Robert Koch-Institut, SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand 15.08.2018

AltersgruppierungErkrankungen
0 Jahre30
1 Jahr33
2 Jahre17
3 Jahre6
4 Jahre10
5-9 Jahre35
10-14 Jahre47
15-19 Jahre55
20-24 Jahre56
25-29 Jahre44
30-39 Jahre64
40-49 Jahre31
50-59 Jahre18
60-69 Jahre1
70 Jahre älter1
Unbekannt0

Das Ziel: Maximal 80 Fälle pro Jahr

Zahlen zu Masernerkrankungen werden in Deutschland erst seit Einführung der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 erfasst. Parallel hat die Ständige Impfkommission (STIKO) 2001 die Empfehlung für die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfdosis vom 5.-6. Lebensjahr auf das 2. Lebensjahr vorgezogen, um frühzeitiger einen vollständigen Immunschutz aufzubauen. In den Folgejahren sind die Masernfälle pro Jahr deutlich gesunken. Der erneute Anstieg der Erkrankungszahlen nach 2005 wurde jedoch durch immer wieder auftretende, regional und zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche verursacht. Fast alle dieser Masernerkrankten waren ungeimpft und zunehmend waren Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Die STIKO hat folglich im Jahr 2010 eine Masernimpfung für bislang nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpfte nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, um die bestehenden Immunitätslücken zu schließen. Denn Masernausbrüche lassen sich erst verhindern, wenn 95 % der Bevölkerung immun sind.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern beginnen mit starken, grippeähnlichen Symptomen: Dazu gehören hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Nach einigen Tagen entwickelt sich der typische Masernausschlag und das Fieber steigt erneut. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab. Die meisten Masernpatienten werden nicht schwer krank, Komplikationen sind jedoch möglich.

Masern schwächen für etwa sechs Wochen das Immunsystem. Deshalb können zusätzliche Erreger Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen.

In seltenen Fällen kommt es im Zusammenhang mit einer Masernerkrankung zu Gehirnentzündungen. In Zahlen heißt das: 10 von 10.000 an Masern erkrankten Menschen erleiden eine Gehirnentzündung. Von diesen zehn Erkrankten sterben ein bis zwei. Bei etwa zwei bis drei Betroffenen bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen und Lähmungen zurück.

Sehr selten – in vier bis elf  Fällen von 100.000 Masernkranken - kann etwa sieben Jahre nach der Masernerkrankung eine so genannte SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, auftreten. Kinder, die zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre sind, sind besonders gefährdet (Das Risiko wird auf 20 bis 60 Fälle pro 100.000 Masernkranken geschätzt.). Die SSPE ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach zwei bis drei Jahren zum Tod. In Deutschland traten von 2003 bis 2009 insgesamt 19 SSPE-Fälle bei Kindern unter 16 Jahren auf.

Eine ursächliche Behandlung gegen Masern gibt es nicht. Krankheitszeichen wie zum Beispiel hohes Fieber können gelindert werden. Antibiotika sind bei Erkrankungen, die durch Viren verursacht werden, jedoch wirkungslos. Nur bakterielle Zweitinfektionen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung sind mit Antibiotika behandelbar, gegen die Masernviren selbst helfen sie nicht.  Auch aus diesem Grund bietet die Impfung den wirksamsten Schutz.

Masern: Impfung

Durch eine zweimalige Impfung kann einer Ansteckung mit Masern wirksam vorgebeugt werden. Üblicherweise wird mit einem Kombinationsimpfstoff gleichzeitig auch gegen Mumps und Röteln geimpft (MMR-Impfung). Bis zum zweiten Geburtstag sollten alle Kinder zweimal geimpft sein. Vielen Jugendlichen fehlt jedoch noch die zweite Impfung. Im Jahr 2005 hatte rund ein Viertel der Erstklässler sie noch nicht erhalten.

Jugendliche, die noch keine oder bisher nur eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten haben, sollten die Impfung möglichst schnell nachholen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung vor allem auch allen Jugendlichen, die als Praktikanten oder Auszubildende im Gesundheitsdienst, in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergarten) oder in der Betreuung von Personen mit stark geschwächtem Immunsystem arbeiten.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn ein Jugendlicher eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung hat.

 

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Bei etwa 5 von 100 Geimpften kommt es nach der Impfung durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Diese kann kurzfristig auch schmerzen. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe der Einstichstelle an. In den ersten drei Tagen werden auch häufiger Allgemeinsymptome beobachtet wie eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden.

Da es sich um eine kombinierte Lebendimpfung mit abgeschwächten Masern-, Mumps- und Röteln-Impfviren handelt, können in den ersten vier Wochen nach der Impfung bei etwa zwei bis fünf von 100 Geimpften leichte, nicht ansteckende „Impf-Masern“ beobachtet werden. Anzeichen sind Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist gelegentlich möglich. Von Jugendlichen und Erwachsenen sind Gelenkbeschwerden berichtet worden. Selten werden eine leichte Hodenschwellung oder eine ebenfalls leichte Reaktion der Bauchspeicheldrüse beobachtet.

Solche Impfreaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen folgenlos wieder ab.

Im Rahmen einer Fieberreaktion nach Impfung kann sich bei weniger als 1 von 1.000 geimpften Kindern ein Fieberkrampf entwickeln, der in der Regel ohne weitere Folgen bleibt. Jugendliche leiden jedoch nur äußerst selten an einem Fieberkrampf. Sehr selten sind auch allergische Reaktionen auf den Impfstoff. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden länger andauernde Gelenkentzündungen beobachtet. In Einzelfällen vermindert sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind. Wie in Folge der Krankheit wird als sehr seltene Nebenwirkung auch eine mögliche Gehirnentzündung nach der Impfung diskutiert; weltweit sind diese nach Impfung in wenigen Einzelfällen beobachtet worden. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden.

Masern: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Link-Tipp

  • Masern-Atlas (englisch)

    Visuell aufbereitete und einfach zu verstehende Kartendarstellung, die die Entwicklung und den Fortschritt der Masern-Elimination in Europa nach Ländern und Jahreszahlen zeigt. Bereit gestellt durch das European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC).